Als Heilkunde wird in § 1 Abs. 2 des Heilpraktikergesetzes (HeilprG) „jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen (…)“ definiert. Eine weitergehende Definition lässt sich dem Gesetzestext nicht entnehmen, sodass es in Randbereichen unklar ist, ob eine Tätigkeit eine heilkundliche ist oder nicht. Die Unterscheidung ist aber deswegen wichtig, weil heilkundliche Tätigkeiten nur von Ärzten und Heilpraktikern ausgeübt werden dürfen, im Bereich der Zahlheilkunde auch von Zahnärzten und im Bereich der Psychotherapie von Psychotherapeuten.

Um eine Einschätzung vornehmen zu können, wann Heilkunde ausgeübt wird, sollen zunächst die Begriffe Krankheit, Leiden und Körperschäden definiert werden. Krankheit ist gemäß Rechtsprechung des Bundessozialgerichtes „ein regelwidriger Körper- oder Geisteszustand, der behandlungsbedürftig ist oder Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat“(BSG, Urt. v. 23.05.2018, Az.: B 3 KR 18/17 R). Ähnlich formuliert es der Bundesgerichtshof: Krankheit ist „dadurch gekennzeichnet, dass sie eine nicht ganz unerhebliche Störung körperlicher oder geistiger Fähigkeiten mit sich bringt und deshalb die Notwendigkeit einer Heilbehandlung besteht“ (BGH, Urt. v. 29.03.2017; Az. IV ZR 533/15).Leiden „sind langanhaltende, häufig kaum oder nicht mehr therapeutisch beeinflussbare Funktionsstörungen“ (1).Unter Körperschäden „sind alle grundsätzlich irreparablen, nicht krankhaften Veränderungen des Zustands oder der Funktion des Körpers, einzelner Organe oder Organteile zu verstehen“ (1).