Krebsforum
Naturheilpraxis 12/2020

Wirtsbaumwahl in der Misteltherapie

Erfahrene Therapeuten setzen die Mistel hochindividuell ein, das heißt, sie beziehen die individuelle und spezifische Zuordnung der Wirtsbäume in die Therapie mit ein. Auch Unterschiede in der Erntepraktik und in den Produktionsprozessen der einzelnen Hersteller werden berücksichtigt. Der Beitrag zeigt den aktuellen Stand der Erkenntnisse.

Ein Beitrag von Elke Mehrlein-Wölfel
Lesezeit: ca. 8 Minuten
Elke Mehrlein-Wölfel

Die Misteltherapie wurde vor mehr als 100 Jahren von Rudolf Steiner konzipiert und von Ita Wegman ab Anfang des 20. Jahrhunderts klinisch angewandt. Inzwischen gilt die Misteltherapie in der Krebsbehandlung als biologische Standardtherapie und Arzneimittel aus Viscum-album-Extrakten gehören zu den meistverordneten komplementären Krebsmedikamenten. Für Mistelextrakte in der Krebstherapie werden nur Viscum album, mit den Unterarten Viscum album subsp. album (Laubbaum), wie z. B. Ahorn, Apfel, Birke, sowie Viscum album subsp. Abietis (Tanne) und Viscum album subsp. Austriacum (Kiefer) verwendet. Je nach Herstellungsverfahren werden Senker, Stängel, Blätter, Beeren und Blüten der Mistelpflanze verarbeitet. Somit können wir derzeit weder bei Herstellern noch bei Ärzten und Heilpraktikern ein einheitliches Therapieverfahren in der Auswahl der Wirtsbäume sowie bei Dosis und Frequenz feststellen. „In klinischen Studien wird die Misteltherapie generell standardisiert angewendet. In der klinischen Praxis […] wird sie jedoch vielfach hochindividuell eingesetzt, mit einem von der Standardtherapie oft deutlich abweichenden Therapiemodus – in Bezug auf Wirtsbaum, Präparat, Dosierung, Dosierungswechsel […].“ (1)

Die Mistelpflanze

Die Mistelpflanze zeigt mit ihrem Wachstum eine besondere Beziehung zum Wirtsbaum. Der Baum, auf dem die Mistel aufsitzt, ist in der Erde verwurzelt und verarbeitet die entnommenen Stoffe der Erde. Die Mistel, die wiederum auf dem Baum wächst, verarbeitet die Stoffe, welche der Baum ihr gibt. Sie benutzt den Baum sozusagen als Nährstofflieferanten. Die Stoffe, welche die Mistelpflanze vom jeweiligen Wirtsbaum aufnimmt, enthalten spezifische, genetische Informationen, welche dann nach Art des Wirtsbaums unterschieden werden sollten, denn jeder Wirtsbaum hat andere Sinnes-, Willens-, Gestaltungs- und Lebenskräfte. Rudolf Steiner war der Auffassung, dass mit der Krebserkrankung Ungleichgewichte zwischen dem Äther- und dem Astralleib im Organismus entstehen und die Mistelpflanze mit ihrem speziellen Wachstum und ihrer Kraft, dieses Ungleichgewicht wieder aufheben kann. Des Weiteren hat die Mistelpflanze mit ihrem speziellen Wachstum auf einem lebenden Organismus die Fähigkeit, dass sie alle feinstofflichen Informationen des Wirtsbaums aufnimmt, welche dann mit der Injektion des jeweiligen Mistelextraktes auf den Menschen übertragen werden. Die Verbreitung der Mistelpflanze erfolgt hauptsächlich über Vögel, wie z. B. dem Seidenschwanz und der Misteldrossel, denen die Mistelbeere im Winter als Futter dient. Sie picken die feste Haut der Beere auf und fressen die leimartige Substanz, in der auch der Keimling der Mistelpflanze enthalten ist. Dadurch wird die Fruchtwand der Beere verletzt und der Keimling wird nun über den Verdauungstrakt des Vogels ausgeschieden. Dieser Keimling bildet auf dem Ast eine Haftscheibe, welche dem Baum signalisiert, den noch kleinen Senker zu umschließen. Somit ist der Baum aktiv an der Mistelbildung beteiligt. Misteln sind zweihäusige Pflanzen, das bedeutet, es gibt weibliche und männliche Pflanzen. Die Mistelpflanze wächst gerne in der Baumkrone und sehr langsam. Ab dem 5. Jahr blühen Misteln zum ersten Mal und die weiblichen Mistelpflanzen können Beeren tragen. Mistelpflanzen wachsen in alle Richtungen, also unabhängig von Schwerkraft und Lichtverhältnissen. Dieses „Kugelbuschwachstum“ können wir bei keiner anderen Pflanze sehen.

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Naturheilpraxis 12/2020

Erschienen am 01. Dezember 2020