Erfahrene Therapeuten setzen die Mistel hochindividuell ein, das heißt, sie beziehen die individuelle und spezifische Zuordnung der Wirtsbäume in die Therapie mit ein. Auch Unterschiede in der Erntepraktik und in den Produktionsprozessen der einzelnen Hersteller werden berücksichtigt. Der Beitrag zeigt den aktuellen Stand der Erkenntnisse.

Die Misteltherapie wurde vor mehr als 100 Jahren von Rudolf Steiner konzipiert und von Ita Wegman ab Anfang des 20. Jahrhunderts klinisch angewandt. Inzwischen gilt die Misteltherapie in der Krebsbehandlung als biologische Standardtherapie und Arzneimittel aus Viscum-album-Extrakten gehören zu den meistverordneten komplementären Krebsmedikamenten. Für Mistelextrakte in der Krebstherapie werden nur Viscum album, mit den Unterarten Viscum album subsp. album (Laubbaum), wie z. B. Ahorn, Apfel, Birke, sowie Viscum album subsp. Abietis (Tanne) und Viscum album subsp. Austriacum (Kiefer) verwendet. Je nach Herstellungsverfahren werden Senker, Stängel, Blätter, Beeren und Blüten der Mistelpflanze verarbeitet. Somit können wir derzeit weder bei Herstellern noch bei Ärzten und Heilpraktikern ein einheitliches Therapieverfahren in der Auswahl der Wirtsbäume sowie bei Dosis und Frequenz feststellen. „In klinischen Studien wird die Misteltherapie generell standardisiert angewendet. In der klinischen Praxis […] wird sie jedoch vielfach hochindividuell eingesetzt, mit einem von der Standardtherapie oft deutlich abweichenden Therapiemodus – in Bezug auf Wirtsbaum, Präparat, Dosierung, Dosierungswechsel […].“ (1)