Wenn Sie sich fragen: „Wie geht es den Tonsillen meines Patienten?“, dann beantwortet dies am besten eine klinische Untersuchung inklusive klassischer Anamnese – dafür brauchen Sie keine Augendiagnose. Wenn Sie aber wissen wollen: „Wie geht es dem venösen System, wie belastet ist die Lymphe und kann sie ihre funktionellen und immunologischen Aufgaben erfüllen?“, dann schauen Sie besser Ihrem Patienten in die Augen, denn dort werden Sie dazu sehr aussagekräftige Antworten finden.

Auflagerungen, Pigmente und Verfärbungen der Iris

Viele verwechseln den Auspuff mit dem Motor, weil es aus dem Auspuff herausraucht. Dies führt zu diagnostischen und therapeutischen Irrtümern. Stehen Sie aber nach dem Anlassen des Motors komplett eingenebelt in einer großen schwarzen Wolke, dann sagt selbst der Auspuff etwas Entscheidendes über den Motor aus. Genauso ist es mit den Augen: Natürlich haben die wenigsten Menschen Hämorrhoiden oder gar einen durch lymphatische Hyperplasien induzierten Gänsehautmagen in ihren Augen, dennoch finden wir in der Sklera sehr wohl Phänomene, die sich dort wie eine schwarze Rauchwolke ausbreiten und von ungesunden Zuständen des Körperinneren künden. Ein gestörter Transit mit mesenchymaler Belastung und damit eine Belastung der Eliminationswege wie Lymphe und Venen schafft – wie Günther Lindemann es elegant formulierte – „nicht als scharf umrissene Krankheit mit eindeutigen Symptomen, sondern als mehrschichtiger Risikofaktor über die primäre Dysfunktion der Grundregulation Voraussetzungen für die gerichtete Entwicklung prämorbider Strukturen zu manifesten klinisch fassbaren Organschäden“. Und weiter: „Auf die Iris bezogen finden wir unter diesem Stichpunkt alle Auflagerungen, Verschmierungen, die verschiedenen Formen der Pigmente und Verfärbungen. Von herausragender Bedeutung ist hierbei, dass uns die Iris dieses Panorama mit einer Schnelligkeit und mit einem minimalen Aufwand darstellt, wie es bisher kein anderes Diagnosesystem schafft.“ (s. Abb. 1)