Schwerpunkt
Naturheilpraxis 12/2022

Was bewirkt Alpha-Liponsäure bei diabetischer Polyneuropathie?

Alpha-Liponsäure senkt im Vergleich zu Placebo signifikant Schmerzen, Brennen, Parästhesien und Taubheitsgefühle und den Gesamtsymptom-Score bei Patienten mit diabetischer Polyneuropathie – so die Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse aus dem Jahr 2022. Damit konnte der positive Nutzen des Biofaktors Alpha-Liponsäure erneut bestätigt werden. Der folgende Beitrag befasst sich mit der Symptomatik der diabetischen Polyneuropathie, beschreibt Eigenschaften und Wirkungsmechanismen der Alpha-Liponsäure und geht auf mögliche komplementäre Effekte der Vitamine B1 und B12 in der Behandlung ein.

Ein Beitrag von Dr. Daniela Birkelbach
Lesezeit: ca. 9 Minuten
Zay Nyi Nyi / shutterstock.com

Neuropathien zählen zu den mikrovaskulären Komplikationen, die aufgrund eines Diabetes mellitus entstehen können. Etwa jeder dritte Diabetespatient entwickelt im Laufe seiner Erkrankung eine distal-symmetrische sensomotorische Polyneuropathie, abgekürzt als DSPN. Die DSPN beginnt meist an den Füßen und führt anfangs zu Missempfindungen, die sich in Ruhe und Wärme verschlechtern können. Bei bis zu 50 % der Betroffenen treten neuropathische Schmerzen auf, die mitunter als sehr stark und quälend empfunden werden und die Lebensqualität erheblich einschränken. Mit Fortschreiten der Nervenschäden kommt es zu Taubheitsgefühlen mit einem verminderten Berührungs-, Druck- und Schmerzempfinden. Dies und die zunehmend trockene Haut durch eine autonome Schädigung der Schweißproduktion fördert die Entstehung neuropathischer Fußulzera – bekannt als diabetisches Fußsyndrom. Zusätzlich zu der Schädigung von Nervenfasern erhöht die DSPN auch die Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen und die Gesamtsterblichkeit. Daher sind eine Früherkennung der DSPN und eine möglichst frühzeitige Therapie sehr wichtig (1).

Diabetes und Folgeerkrankungen (2, 3)

In Deutschland leiden mehr als 8,5 Millionen Menschen an Diabetes. Zusätzlich wird eine Dunkelziffer von weiteren zwei Millionen Menschen vermutet. Pro Jahr kommen etwa 600 000 Neuerkrankungen hinzu. Bei 95 % der Betroffenen liegt ein Typ-2-Diabetes vor. Familiäre Veranlagung, zu wenig Bewegung und Übergewicht sind die wichtigsten Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes. Das metabolische Syndrom als Vorstufe des Typ-2-Diabetes ist eine Kombination von gestörtem Kohlenhydratstoffwechsel, arterieller Hypertonie, einem gestörten Fett- und Cholesterinhaushalt und einer bauchbetonten Adipositas.

Rund 50 % der Menschen mit Typ-2-Diabetes könnten ohne Medikamente gut behandelt werden, d. h. mit Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme, spezieller Schulung und Bewegung. Hierzu wurde im Mai 2022 ein Experten-Konsenspapier zum Stellenwert der Ernährung in der Behandlung von Typ-2-Diabetikern mit dem Ziel einer Remission veröffentlicht. Durch erhöhte Blutzuckerwerte über längere Zeit kann es zu Schäden an Gefäßen und Nerven mit der Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, diabetischer Nephropathie und Retinopathie sowie der diabetischen Polyneuropathie kommen. Diese diabetischen Folge- und Begleiterkrankungen vermindern die Lebensqualität und die Lebenserwartung der betroffenen Patienten.

Als Risikofaktoren für die Entwicklung einer diabetischen Polyneuropathie gelten neben Hyperglykämie, Hypertonie und Fettstoffwechselstörungen als Komponenten des metabolischen Syndroms auch vermehrter oxidativer Stress, Entzündungsreaktionen und Veränderungen der Mikrozirkulation sowie ein erhöhter Konsum von Nikotin und Alkohol.

Die Symptome einer diabetischen Polyneuropathie sind abhängig davon, welche Nerven geschädigt sind. Unterschieden werden:

  1. eine sensomotorische Polyneuropathie mit Schädigung der sensorischen und motorischen Nervenfasern an Gliedmaßen und Stamm. Sensorisch werden Störungen der Gefühlsqualitäten wie Druck, Wärme- und Kälteempfinden, Vibration und Schmerz, motorisch werden Lähmungen beobachtet. Diagnostiziert wird die sensomotorische Polyneuropathie durch Prüfung der Vibrationsempfindlichkeit mit der Stimmgabel und durch Prüfung der Muskeleigenreflexe mit dem Reflexhammer.
  2. eine autonome Neuropathie mit Schädigung des autonomen, unbewussten Nervensystems, welches die inneren Organe steuert.

Die distal-symmetrische Polyneuropathie (DSPN) ist die häufigste Form der diabetischen Neuropathien. Als typische Frühsymptome gelten Sensibilitätsstörungen an körperfernen Regionen der unteren Extremitäten mit Reflexabschwächung, leichten Lähmungen und Muskelkrämpfen.

Eine Fuß- und Zehenheberschwäche ist häufig das erste motorische Lähmungssymptom, was zu vermehrtem Stolpern beim Gehen auf unebenem Grund führt. Die sensomotorische diabetische Neuropathie ist bei einem Großteil der Patienten an der Ätiologie des diabetischen Fußsyndroms beteiligt und eine der wichtigsten Risikofaktoren für Fußulzera und Amputationen. Fußulzera erhöhen bei Diabetespatienten die Morbidität und Mortalität.

Ein internationales Gremium aus 15 Experten hat unter der Leitung von Prof. Dan Ziegler, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie am Deutschen Diabetes-Zentrum und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Gesellschaft für Biofaktoren (GfB), ein Konsensus-Papier mit Empfehlungen zu Screening, Diagnose und Management der DSPN entwickelt (4).

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