Sie fühlen sich chronisch überfordert, antriebslos und ausgebrannt. Sie haben Schlafstörungen, häufige Infekte, Herz-Kreislauf-Probleme, Magendruck, Darmbeschwerden oder Schmerzen im Bewegungsapparat. Viele leiden unter Einsamkeit und Ängsten. Immer mehr Patienten mit diesen Symptomen suchen Hilfe bei ganzheitlichen Therapeuten, viele haben bereits eine Odyssee durch unzählige Praxen hinter sich. Doch was ist es, das uns so erschöpft? Und was können Heilpraktiker zur Stärkung erschöpfter Menschen beitragen? Dieser Frage ging die 43. Interbiologica, die große Fachmesse des Hessischen Heilpraktikerverbands, Mitte März in Darmstadt nach.

Bereits vor über zehn Jahren bezeichnete die Weltgesundheitsorganisation WHO Stress als die „größte Gefahr des 21. Jahrhunderts“. Tatsächlich gebiert die moderne Gesellschaft Krankheiten, die es vor 50 Jahren in dieser Art und Häufigkeit noch nicht gab. „Als 1979 der erste Computer erfunden wurde, wussten wir noch nicht, welche Auswirkungen das haben würde. Erst jetzt fällt uns auf, in welchem fundamentalen Veränderungsprozess wir uns befinden“, umriss Prof. Dr. Dieter F. Braus, Direktor der Klinik für Psychiatrie an den Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden, in seinem Auftaktvortrag eine der Hauptursachen des Phänomens.
Der digitale Wandel hat unseren Alltag enorm beschleunigt, die moderne Technik erlaubt es, beruflich wie privat rund um die Uhr erreich- und einsetzbar zu sein. Echte soziale Kontakte nehmen ab, Reizüberflutung und Hektik dagegen zu. Gleichzeitig sind die meisten körperlich unterfordert. „Das erzeugt Stress“, verdeutlichte Dieter Braus. Da der Mensch biologisch gesehen aber immer noch auf einer Stufe mit dem neolithischen Steinzeitmenschen stehe, sei er gar nicht in der Lage, mit den Verhältnissen Schritt zu halten, die er sich selbst geschaffen hat. „Unsere Grundbedürfnisse sind seit 7 000 Jahren die gleichen“, sagte Braus. Dazu gehörten neben Luft, Wasser, Nahrung, Schlaf, Bewegung und Sexualität auch Sicherheit und Verlässlichkeit sowie soziale Bindung, Anerkennung, Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung. Das zeigt gleich die wichtigsten Ansatzpunkte für Therapeuten bei der Behandlung: viel Bewegung und Natur, gesunde Ernährung, Entspannung und Achtsamkeit, (echte) soziale Kontakte, kognitive Stimulation sowie feste Rhythmen und Rituale.
Hier knüpften auch die zahlreichen weiteren Vorträge und Workshops an, die sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit der Prävention von Stress und der Behandlung von Erschöpfung, Burn-out, Ängsten, Schlafstörungen, Reizmagen und Reizdarm, Immun- oder Nebennierenschwäche befassten.
Die große Industrieausstellung mit rund 130 Anbietern bot dem Fachpublikum zudem die umfassende Gelegenheit, sich über naturarzneiliche und medizintechnische Möglichkeiten bei der Behandlung erkrankter Menschen zu informieren.