Horizont
Naturheilpraxis 05/2022

Visionssuche – die Natur als Heilerin und Lehrerin

Ich steige wieder von dem Berghang in 1 800 Metern Höhe herab, wo ich die vergangenen vier Tage und Nächte allein, ohne Essen, ohne Zelt, ohne Handy und ohne jeden Kontakt zu anderen Menschen unter einer alten Fichte zugebracht habe. Mit dabei hatte ich nur Schlafsack, Matte, Regenplane, Rucksack und 15 Liter Wasser. Dies ist Teil eines 12-tägigen Naturrituals der "Visionssuche".

Ein Beitrag von Peter Maier
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Ich war in dieser Zeit ohne Behausung, dem rauen Bergklima unmittelbar und ganz elementar ausgesetzt. Ich komme soeben aus einer anderen Welt – aus der Welt der Natur mit all ihren Wesenheiten: mit den Pflanzen und Bäumen, mit den Wildtieren und mit den bizarren Bergformationen der wundersamen Alpenlandschaft. Drei Tage und drei Nächte lang hat es in dieser sogenannten „Solozeit“ geregnet, am vierten Tag herrschte zudem ein richtiger Sturm. Erst jetzt am frühen Morgen des fünften Tages scheint endlich wieder die Sonne. Nun geht es zurück zur zwei Kilometer entfernten, tiefer liegenden Almhütte, die als Basislager dient.

Vier Tage lang wurde ich zunächst in der zehnköpfigen Teilnehmer-Gruppe von zwei Ritualleitern intensiv vorbereitet. Die letzten vier Tage dienen dann noch dazu, die Erlebnisse und Geschichten von uns Teilnehmern aus der Zeit „allein da draußen in der Wildnis“ einzeln im Ritualkreis zu hören und zu würdigen und die anschließende Heimkehr in unsere Familien vorzubereiten.

Traditionelle Völker wussten Bescheid

Das Ritual der Visionssuche, auch „Vision Quest“ genannt, wurde bereits vor etwa 40 Jahren von dem nordamerikanischen Ehepaar Steven Foster und Meredith Little in ihrer „School of Lost Borders“ entwickelt. Sie waren als Ethnologen, Psychologen und Sozialarbeiter in den Reservaten von einigen Indianerstämmen tätig. Dabei konnten sie beobachten, dass sowohl Jugendliche als auch Erwachsene von Zeit zu Zeit für einige Tage allein im Wald verschwanden. Wenn diese dann wieder aus ihrer „Auszeit“ zurückkehrten, schienen sie sehr verändert und wurden von der Stammesgemeinschaft mit einem großen Fest empfangen und gewürdigt.

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Naturheilpraxis 05/2022

Erschienen am 03. Mai 2022