Wer nicht lange auf ein Laborergebnis warten möchte, kann in der eigenen Praxis eine ganze Reihe von Tests durchführen, die ein schnelles Ergebnis liefern und deshalb unmittelbar Einfluss auf die Gestaltung einer Therapie nehmen können. Eine sehr praktische und aussagekräftige Untersuchung ist ein Klassiker der Erfahrungsheilkunde – die traditionelle Harndiagnostik.

Die Harnschau hat eine lange Geschichte. Früheste Erwähnung fand sie im alten Ägypten. Aber erst im 2. Jahrhundert nach Christus wurde sie von dem römischen Arzt Galen von Pergamon (* um 130 n. Chr., † um 200 n. Chr.) erweitert. Galen war ein Vertreter der damalig vorherrschenden Humoralpathologie, welche ihre Wurzeln im 5. Jahrhundert vor Christus in Griechenland hat. Nahezu die gesamte Prominenz der griechischen Philosophie, insbesondere die Platoniker, beschäftigten sich grundlegend mit den Inhalten der antiken Vier-Säfte-Lehre. Da sich auch der Urin nach den Kriterien der Humoralpathologie gut beurteilen lässt, wurde ihm als Ausscheidungssaft viel Aufmerksamkeit zuteil.