Schwerpunkt
Naturheilpraxis 01/2021

Urinfunktionsdiagnose bei Leber-Gallen-Störungen

Befundung von Konstitution und Pathologie über den Urin

Wer nicht lange auf ein Laborergebnis warten möchte, kann in der eigenen Praxis eine ganze Reihe von Tests durchführen, die ein schnelles Ergebnis liefern und deshalb unmittelbar Einfluss auf die Gestaltung einer Therapie nehmen können. Eine sehr praktische und aussagekräftige Untersuchung ist ein Klassiker der Erfahrungsheilkunde – die traditionelle Harndiagnostik.

Ein Beitrag von Tobias Eisenkolb
Lesezeit: ca. 11 Minuten

Die Harnschau hat eine lange Geschichte. Früheste Erwähnung fand sie im alten Ägypten. Aber erst im 2. Jahrhundert nach Christus wurde sie von dem römischen Arzt Galen von Pergamon (* um 130 n. Chr., † um 200 n. Chr.) erweitert. Galen war ein Vertreter der damalig vorherrschenden Humoralpathologie, welche ihre Wurzeln im 5. Jahrhundert vor Christus in Griechenland hat. Nahezu die gesamte Prominenz der griechischen Philosophie, insbesondere die Platoniker, beschäftigten sich grundlegend mit den Inhalten der antiken Vier-Säfte-Lehre. Da sich auch der Urin nach den Kriterien der Humoralpathologie gut beurteilen lässt, wurde ihm als Ausscheidungssaft viel Aufmerksamkeit zuteil.

Grundsätzlich diente der Urin im humoralpathologischen Kontext primär der Konstitutionsbestimmung. Es sollte also erkannt werden, wie der Körper gemäß der Vier-Elemente-Lehre zu kategorisieren sei. War es ein dunkler und dicker Urin, so wies das auf einen Sanguiniker hin, ein dunkler aber dünner Urin auf einen Choleriker. Erschien der Urin hingegen hell und dick, so musste es sich um einen Phlegmatiker handeln und bei einem hellen aber dünnen Urin hatte man es als Arzt mit einem Melancholiker zu tun. Behandelt wurde anschließend mit Schröpfverfahren, Aderlässen und einer der Konstitution entsprechenden Diätetik. Der Patient sollte darauf achten, das zu essen, was zu seiner Konstitution passte.