Schwerpunkt
Naturheilpraxis 11/2020

(Ur-)Tinkturen bei Verdauungsstörungen

Urtinkturen stellen für die Herstellung von homöopathischen Arzneimitteln eine unverzichtbare Voraussetzung dar. Tinkturen sind wesentlich günstiger, konzentrierter und stehen Urtinkturen hinsichtlich ihrer Wirkung, beispielsweise zur Behandlung von Verdauungsstörungen, in nichts nach. Dennoch gibt es Unterschiede.

Ein Beitrag von Tobias Müller
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Um Urtinkturen gibt es einen Hype, der nicht unbedingt gerechtfertigt ist. Sie sind für Patienten oft zwei- bis dreimal so teuer wie Tinkturen und leisten dabei keineswegs mehr. Dies soll nicht heißen, dass Urtinkturen keine Berechtigung haben – im Gegenteil. Ohne Urtinkturen gäbe es keine Ausgangssubstanz für die Herstellung homöopathischer Arzneimittel und damit die Homöopathie an sich nicht. Denn nur aus Urtinkturen darf man laut homöopathischem Arzneibuch nach Hahnemann Globuli, Dilutionen und Pulver herstellen. Hahnemann wünschte hierzu die Verwendung der Frischpflanze (bei Tinkturen: der getrockneten Pflanze), schränkte dies jedoch ein: Sollte die Frischpflanze nicht in hervorragender Qualität verfügbar sein, durfte auf die getrocknete Pflanze ausgewichen werden. Da aber frische Ware damals schnell verdarb, waren alle Ausgangsdrogen, die aus Übersee oder von weiter herkamen, per se getrocknet zubereitet.

Nach dem HAB darf eine Urtinktur heute deshalb in 95 % der Fälle aus getrockneten Pflanzen hergestellt werden, in lediglich 5 % wird die Frischpflanze verwendet. Für die Produktion von Tinkturen sind hingegen ausschließlich getrockneten Pflanzen einzusetzen. Hinzu kommt, dass Tinkturen fast immer doppelt so hoch konzentriert sind wie Urtinkturen, weil Urtinkturen ausschließlich im Verhältnis 1:10 (Droge zu Alkohol) hergestellt werden müssen. Das Verhältnis beträgt bei Tinkturen meist nur 1:5. Das bedeutet im Klartext: Tinkturen sind 20%ig, Urtinkturen hingegen nur halb so hoch konzentriert – und das bei teils dreifachen Preisen. Eine weitere Unterscheidung bezieht sich auf die Stärke des Alkohols. Für Urtinkturen wird 70%iger Alkohol vorgeschrieben (bei Harzen 90 %iger). Dies ist bei Tinkturen zwar häufig auch der Fall, stellt aber keine zwingende Regel dar. Meines Erachtens ist der hohe Preis der Urtinkturen für den phytotherapeutischen Gebrauch nicht zu rechtfertigen.

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