Viele Artikel sind in der N zu augendiagnostischen Themen publiziert worden, zur Zeichenlehre, zu konstitutionellen Modellen oder auch zur praktischen Umsetzung dessen, was wir beim Blick ins Irismikroskop sehen. Diesmal möchte ich über den Tellerrand blicken und dabei nationale und internationale Entwicklungen im Bereich der Augendiagnose oder Iridologie betrachten.

Hier wird deutlich, dass sich schon an der Begrifflichkeit die Geister scheiden – Augendiagnose oder Iridologie? Eine Diagnose im üblichen medizinischen Sinn wird beim Blick ins Auge nicht gestellt. Eher eine deskriptive Annäherung von konstitutionellen Faktoren, Reaktionsweisen etc. Aber im Hinblick auf die ursprüngliche Bedeutung der diagnosis, des Durchblicks, passt die Namensgebung dann doch wieder. Die Gegebenheiten, die wir im Auge sehen, helfen uns „zu durchblicken“, wie die Symptome des Patienten, seine Reaktionslage, seine Schwachstellen im Gesamtzusammenhang zu erklären sind. Der Begriff Iridologie umgeht diese Festlegung, aber auch er enthält eine Ungenauigkeit, denn genau gesehen betrachten wir nicht allein die Iris, sondern das ganze Auge mit Sklera, Konjunktiva, Gefäßen, Lidern etc. Daher hat Josef Angerer den Begriff der „ophthalmotropen Phänomenologie“ geprägt. Das ist zwar eine exaktere Beschreibung unseres Themas, aber erstens fast unaussprechlich und zweitens für unsere Patienten noch abstrakter als die beiden anderen Begrifflichkeiten. Unabhängig davon, wie wir die Methode benennen, treten die eigentlichen Widersprüchlichkeiten bei den inhaltlichen Betrachtungsweisen auf. Es gibt beispielsweise schon im deutschen Sprachraum verschiedene Richtungen oder Schulen. Ich möchte nur ein paar Meister nennen: Josef Angerer, Josef Deck, Joachim Broy oder weiter zurück auch Pastor Felke oder Magdalene Madaus. Neben so manchen Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen gibt es auch unterschiedliche Sichtweisen und spezifische Schwerpunkte.