Porträt
Naturheilpraxis 06/2018

Trainings- und Verhaltensempfehlungen im Freizeitsport

Sport ist gut für die Gesundheit. Eigentlich. Wer falsch oder zu viel trainiert, tut sich und seinem Körper damit keinen Gefallen, sondern riskiert Schmerzen, Verletzungen und chronische Schäden. Das gilt für Spitzensportler ebenso wie für Freizeitsportler.

Ein Gespräch mit Volker Müller
Lesezeit: ca. 10 Minuten
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Volker Müller ist schon seit über 50 Jahren Heilpraktiker mit eigener Praxis in Bayrischzell. Vor Jahren ist daraus eine Gemeinschaftspraxis entstanden, in der auch sein Sohn Florian Müller tätig ist. Zu Volker Müllers Therapieschwerpunkten gehört die Rehabilitation von Sportlern, seine Praxis ist offizielles Therapiezentrum des Deutschen Skiverbandes. Als komplementärmedizinischer Betreuer war er für den Deutschen und den Österreichischen Skiverband als Mannschaftsmitglied bei fünf Olympischen Spielen dabei und bei unzähligen Weltmeisterschaften tätig. Zu seinen Patienten gehören Spitzensportler verschiedenster Sportarten aus dem In- und Ausland. Von seinem Wissen und der therapeutischen Erfahrung profitieren nicht nur Weltklasseathleten, sondern auch ambitionierte Hobbysportler und andere Patienten seiner Praxis. Ein Thema, das ihm dabei sehr am Herzen liegt, ist die Prävention.

Lieber Herr Müller, welche Empfehlung geben Sie Freizeitsportlern bezüglich Trainingsumfang und Regenerationszeiten?

Das kommt ganz darauf an, welchen Trainingszustand der jeweilige Freizeitsportler mitbringt. Wenn er seinen Trainingsumfang zu schnell steigert, geht seine Leistungskurve zuerst nach unten. Der Körper muss mit dieser Belastung erst einmal fertig werden, sie verarbeiten und abspeichern. Erst wenn der Körper den Trainingsreiz gespeichert hat, kann er damit etwas anfangen, und erst dann kann auch der Trainingsumfang sinnvoll gesteigert werden. Darum sollte man langsam starten und das Training nach und nach steigern, das ist ganz wichtig.
Bei Fußballmannschaften hat man es zum Beispiel häufig, dass einige auch im Winter sportlich aktiv sind, während andere gar nichts tun. Wenn dann nach der Winterpause alle gemeinsam ins Trainingslager fahren, können diejenigen, die gut trainiert sind und durchgehend aktiv waren, viel mitnehmen. Die anderen, die dann überhaupt erst wieder mit dem Training starten, sind hingegen erst mal zwei Wochen lang völlig kaputt. Sie haben einen anderen Trainingszustand, für sie erfolgt die Steigerung des Trainingsumfangs zu schnell.
Deshalb rate ich dazu: Immer langsam starten, dann kann man immer noch einen Zahn zulegen. Das gilt natürlich erst recht für alle, die gerade erst anfangen, Sport zu treiben. Übertriebener Ehrgeiz schadet mehr, als dass er hilft.
Das mit dem übertriebenen Eifer kann auch eine richtige Manie werden. Vor allem bei Senioren kommt oft noch ein gewisser Altersstarrsinn dazu. Viele meinen immer, sie müssten wahnsinnig viel leisten und in einer gewissen Zeit von A nach B laufen – und schaden sich dabei nur selbst. Man sollte sich selbst kontrollieren, den Ruhepuls prüfen und unbedingt auf das eigene Körpergefühl hören. Dass jeder Sportler eine gewisse Eigenverantwortung mitbringt, ist ganz besonders wichtig. Das Körpergefühl verrät uns sehr zuverlässig, ob uns das gut bekommt, was wir machen. So einfach das auch klingen mag, so wichtig ist es.