Zum Verständnis des Nervensystems sollte man sich der Bedeutung der sogenannten Kanäle vor Augen führen. Als Kanal (tib.: tza) bezeichnet man in der Tibetischen Medizin alle Verbindungen, in denen die Körperenergie Lung (Wind) und/oder Blut fließt. Man geht von insgesamt 72 000 Kanälen aus. Die Körperenergie Lung (Wind) wird also bei allen Störungen im Bereich des Nervensystems, sowohl was die Ursache, als auch was die spätere Therapie betrifft, eine übergeordnete Rolle einnehmen. Sie ist für die Dynamik in den Kanälen maßgeblich.

Um das Nervensystem entsprechend der Sichtweise der Tibetischen Medizin in seiner stofflichen und subtilen Form zu verstehen, sollte man in den traditionellen Texten die ausführliche Beschreibung über die Bildung des Nervensystems nachlesen, das direkt bei der Befruchtung der weiblichen Eizelle durch den männlichen Samen beginnt. Als dritte Komponente kommt noch der „individuelle“ Bewusstseinsstrom (= mentales Kontinuum) hinzu. Ohne diese drei Aspekte ist eine bewusste Verkörperung nicht möglich. Dieser Grundaspekt des Bewusstseins (= mentales Kontinuum) wird im weiteren Verlauf der Entwicklung seinen Sitz im Herzzentrum bewahren.