Denn das Staunen ist der Anfang aller Philosophie. (Aristoteles)

Goethe bemerkte in einem Gedicht, er sei zum Staunen da und ihn interessiere vor allem die Natur, wie sie sich gestalte und umgestalte. Er war bei allem, was er tat, völlig bei sich, aber auch konzentriert und aufmerksam der Sache zugewandt. Nur so konnte er einerseits allem breit angelegten Universalismus zum Trotz, der Gefahr entgehen, sich zu verzetteln. Andererseits vermied er es auch, bei aller Tiefe, die er in seinem jeweiligen Metier erreichte, zum Spezialisten herabzusinken. Er ist wohl das beste Beispiel für die These, dass es nicht unbedingt darauf ankommt, was man macht, sondern wie man es macht. Und die passenden Worte hierzu heißen Achtsamkeit und Langsamkeit. Wobei auch hier festina lente giltin diesem Falle jedoch besser mit „Weile mit Eile“ übersetzt. Andernfalls bleibt alles um einen herum eben platt, „von vorneherein schon klar“, und für so was wie Staunen ist schlichtweg keine Zeit, da es doch viel zu viele wichtigere Dinge gibt … Und so prokrastiniert man, was man eigentlich gerne machen würde.
Egal ob in der Hektik und Aufregung des Arbeitsalltags oder in den angestrengt lockeren Vergnügungen der industrialisierten Freizeitgestaltung: Genau dieses Übermaß ist es, das uns den Atem raubt und die Möglichkeit, jede Situation bewusst zu durchleben.