Die Pharmakologie des Geschmacks mutet auf den ersten Blick philosophisch bis esoterisch an, doch bei genauer Betrachtung steht sie in keinem Widerspruch zu wissenschaftlich greifbaren Fakten. Viel wichtiger ist, dass der Geschmack ein tieferes Verständnis der Wirkansätze und Einsatzmöglichkeiten von Arzneipflanzen und Lebensmitteln eröffnet.

Die rationale Phytotherapie versucht, die Wirkungen von Arzneipflanzen über deren Inhaltsstoffgefüge zu erklären, auch die moderne Ernährungslehre tut dies, jeweils mit wechselnd befriedigenden Ergebnissen. Ein vermeintlich wirksames Prinzip in einem identifizierten Hauptinhaltsstoff erweist sich nicht selten als Trugschluss. Entweder ist er nach der Isolierung nicht wirksam, oder er zeigt nach Isolierung und Anreicherung unerwünschte Wirkungen, die bei der Ursprungspflanze nie beobachtet wurden. Es mutet schon sehr verwegen an, wenn man unter vielen hundert Inhaltsstoffen, die auch schnell in die Tausende gehen, einen einzelnen zum wirksamen Prinzip erklärt und den Rest als Beiwerk verwirft. Selbst unter dem Aspekt naturwissenschaftlicher Chemie (respektive Biochemie) ist ein solches Vorgehen sehr diskussionswürdig.