Eine Entzündung entsteht aufgrund eines Reizes von außen, durch Mikroorganismen wie Bakterien und Viren, aber auch durch chemische, physikalische Noxen sowie zum Beispiel im Falle der Gicht durch Stoffwechselprodukte. Entzündungen sind prinzipiell eine sehr sinnvolle immunologische Schutzantwort des Organismus. Doch chronische und niedriggradige Entzündungen können zur Belastung des Organismus werden. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen und wie therapeutisch darauf reagiert werden kann, wollen wir in diesem Beitrag beleuchten.

Die Entzündungsantwort erfolgt in der ersten Phase durch ein „schnelles“ Immunsystem mit der Aktivierung von Makrophagen, um insbesondere akute Infektionen zu bekämpfen. Der Signalstoff zu Beginn der Kaskade ist NF-κB. Dieser zelluläre Faktor aktiviert verschiedene Entzündungswege und führt zur Bildung zahlreicher Immunbotenstoffe (Zytokine/Interleukine, Abk.: IL). Die wichtigsten sind TNF-α, IL-6 sowie Il-1β. Gleichzeitig werden auch immunsuppressive Zytokine wie Il-10 oder TGF-β aktiviert, um die Entzündung auf das notwendige Maß zu begrenzen. Eine zu starke und damit unkontrollierte Entzündungsreaktion würde ernsthafte Schäden hinterlassen oder sogar zum Tod des Menschen führen. Diese Aktivierungs- und Hemmsignale können im Rahmen der Zytokindiagnostik im Speziallabor im Blut gemessen werden (z. B. bei Lab4more in München).

Normalerweise wird die Entzündungsreaktion nach Wegfall der Trigger wieder vollständig gestoppt. Entzündungsreaktionen können aber aus dem Ruder laufen oder latent bzw. silent weiterlaufen. Der Patient merkt von diesem entzündlichen Schwelbrand zunächst nicht viel oder ist tatsächlich sogar über Jahre vermeintlich beschwerdefrei. Unmerklich werden durch unterschwellige und symptomlose oder symptomarme Entzündungsprozesse im Rahmen der silent inflammation Weichen für spätere manifeste Erkrankungen wie Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfälle), Depression, M. Parkinson und Autoimmunerkrankungen gestellt. Bei einem solch breiten Spektrum von ernsthaften Folgeerkrankungen lohnt es sich, mehr über Ursachen, Diagnose sowie Prävention und Therapie zu erfahren.  

Die Rolle des Darms bei silent inflammation

Unser größtes Immunsystem findet sich in der Darmschleimhaut. Die intakte Mukosa sowie Schleimhautantikörper (sIgA) wirken zusammen mit der symbiontischen Darmbakterienflora als Barriere gegen Krankheitserreger und Fremdstoffe. Ein wesentlicher Faktor hierbei ist eine gesunde Vielfalt bei den Bakterien, die wir als hohe Diversität bezeichnen. Zu Beginn unseres Lebens im Mutterleib ist der Darm steril, d. h. ohne Bakterienausstattung. Der erste Kontakt mit nützlichen „Starterkeimen“ findet bei der vaginalen Geburt statt. Im besten Fall besiedelt sich der Darmtrakt also nach und nach mit vielen unterschiedlichen Bakterienarten, die für uns nützliche Schutz- und Stoffwechselleistungen übernehmen. Diese bakteriellen Symbionten trainieren unsere Immunzellen in den Peyer-Plaques des Darms und bilden wichtige Vitamine. Vor allem sorgen diese „guten“ Bakterien dafür, dass sich keine pathologischen Vertreter, also Pathobionten, einnisten. Dies ist enorm wichtig, da Lipopolysaccharide (LPS) auf der Membran von Pathobionten zu überschießenden und pathologisch andauernden Immunreaktionen führen können, welche dann eine lokale, aber auch systemische Entzündung auslösen können. So kann ein Entzündungsreiz im Darm eine potenziell gefährliche Neuroinflammation auslösen. Andersherum schützt eine gute Darmflora auch vor silenter ZNS-Entzündung (Gut-Brain-Achse).

Um die Darmbarriere-Funktion aufrecht zu erhalten, braucht es neben Substraten für physiologische Darmbakterien (z. B. kurzkettige Fettsäuren) vor allem auch Vitalstoffe wie Zink, Dexpanthenol (Vitamin B5) und eine gute Versorgung mit Aminosäuren. Regenerationsfaktoren sind besonders L-Glutamin und Methionin in Form der aktiven Aminosäure S-Adenosylmethionin (SAMe). Spezielle Darmbakterien wie Akkermansia und Faecalibacterium prausnitzii tragen ihren Teil als mukonutritive Flora zu Reparaturprozessen von Darmschleimhautzellen bei.

Ist der Darm zu durchlässig, ist die Folge eine Barrierestörung, welche wir als Leaky-Gut-Syndrom bezeichnen. Es kommt zu unkontrolliertem Eindringen von fremden Makromolekülen (z. B. Nahrungsmittel, Toxine) sowie von Schadbakterien. Dies versetzt unser Darmimmunsystem in einen Alarmzustand, der wiederum eine systemische (silente) Inflammation nach sich zieht. Als direkte Folge entstehen daraus Sensibilisierungen des Immunsystems wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien und im schlimmsten Fall rheumatische Erkrankungen. Barrierestörungen erkennen wir an erhöhtem alpha-1-Antitrypsin im Blutserum sowie Zonulin in Stuhlproben. Ergänzend dazu sollte das intestinale Fatty-acid-binding-Protein (I-FABP) im Blut bestimmt werden, da die Zonulinbestimmung bei höhergradigem Leaky Gut (z. B. bei Zöliakie) nicht sicher funktioniert.

Was schwächt unser Darmimmunsystem? An erster Stelle steht die unkritische Gabe von Antibiotika bei banalen Infekten der oberen Atemwege oder bei harmlosen Verläufen von Blasenentzündungen. Antibiotika sollten nur bei ernsten Infektionen eingesetzt werden. Als Konsequenz sollten bei banalen Infekten primär pflanzliche und damit besser verträgliche Antibiotika, wie z. B. Angocin Anti Infekt N (Fa. Repha) und Umckaloabo (Fa. Schwabe), eingesetzt werden und mit Immune active (Fa. Thustmed) das Abwehrsystem gestärkt werden. Das schont die Darmflora. Wenn Antibiotika medizinisch wirklich indiziert sind, sollten parallel immer probiotische Bakterienpräparate eingenommen werden, um den Schaden möglichst gering zu halten.

Bakterielle Herde und silent inflammation

Es gibt aber noch andere Ursachen für silent inflammation. Bakterielle Herde im Zahn und Kieferbereich sind hier zu nennen. Hier schlummern Bakterien unter Kronen an Zahnwurzeln oder vermehren sich in tiefen Taschen des Zahnfleisches. Regelmäßige Präventionstermine beim Zahnarzt senken das Risiko. Chronische Nasennebenhöhleninfektionen führen sehr schnell zur systemischen Aktivierung des Immunsystems. Hochdosierte Weihrauchextrakte zur oralen Einnahme können zur Herdsanierung beitragen.

Metabolisches Syndrom und silent inflammation

Häufig wird das Immunsystem unterschwellig vom überschüssigen Fettgewebe bei Bewegungsmangel und Übergewicht getriggert. Wir bezeichnen die Situation als metabolisches Syndrom. Chronisch erhöhter Blutzucker, Fettgewebe, erhöhtes LDL-Cholesterin und Harnsäure leisten entzündlichen Vorschub.

Besonders das Bauchfett produziert das entzündungsfördernde TNF-alpha. Dieser Wert sollte neben dem CRP-Wert auf jeden Fall im Blut bestimmt werden. In der biologischen Medizin gibt es eine Reihe von TNF-alpha-Hemmstoffen. Curcumin und Weihrauchextrakte senken erhöhte Werte schnell ab. Aber ohne ein Bewegungs- und Sportprogramm und eine Ernährungsumstellung ist dem metabolischen Syndrom und der damit verbundenen erhöhten Entzündungsbereitschaft kaum beizukommen. Sport besteht aus regelmäßigen Kraft- und Ausdauereinheiten. Kraftsport baut Muskeln auf, die wir dringend zum Fettverbrennen brauchen. Ausdauersportarten verbrauchen Kalorien und balancieren den Stoffwechsel aus. Bei der Ernährung stellt Alkoholverzicht einen wesentlichen Faktor dar, gefolgt von der Reduktion von Weißmehlprodukten und Zucker. Durch die Nahrungsergänzung mit Zink und Chrom normalisiert sich der Zuckerstoffwechsel. Quercetinreiche Lebensmittel (z. B. Äpfel) oder auch Nahrungsergänzung können den Harnsäurespiegel natürlich senken (Harnsäure aktiviert Makrophagen zu proentzündlichen Zellen).

Neben dem Blutdruck sollten folgende Blutwerte bestimmt werden, um ein metabolisches Syndrom zu erkennen:

  • Blutzucker, nüchtern
  • Langzeitzucker HbA1c
  • Cholesterin (gesamt, LDL-/HDL-Cholesterin), Triglyceride (unbedingt Nüchternwert)
  • hochsensitiver CRP-Wert
  • Interleukin-6 und -1-beta
  • TNF-alpha
  • Mikroalbumin im Urin
  • ADMA
  • Homozystein

Übersicht der Ursachen von silent inflammation

  • oxidativer Stress durch Überschuss an freien Radikalen und Antioxidantienmangel (z. B. Vitamin- und Aminosäuremangel, Zink- und Selenmangel)
  • Belastung mit Umweltschadstoffen, z. B. durch belastete Lebensmittel wie Seefisch und Reis
  • chronisch virale oder reaktivierte Entzündungen (z. B. Epstein-Barr-Virus) bei einem schwachen Immunsystem (z. B. bei Stress und Vitaminmangel)
  • unterschwellige oder chronische bakterielle Entzündungen, z. B. chronische Borreliose, Zahnwurzelherde und Zahnfleischentzündungen
  • chronische Stoffwechselentgleisung beim Metabolischen Syndrom durch Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Störungen des Darm-Mikrobioms mit fehlerhafter Zusammensetzung der natürlichen Darmbakterienflora (Dysbiose) durch Fehlernährung bei Ballaststoffmangel, zu viel Süßigkeiten und Weißmehl, Vitalstoffmangel und unkritische Antibiotikaverschreibung.

Diagnose stiller Entzündungen

Die Diagnose stiller Entzündungen ist nicht einfach. Manchmal sind wurzelbehandelte Zähne aufbissempfindlich oder es kommt wiederholt zu Zahnfleischbluten. Eine schwelende Kieferhöhlenentzündung fällt manchmal durch leichten drückenden Kopf- oder Oberkieferschmerz auf. Vermehrte Blähungen, häufige Durchfälle oder auch Verstopfung, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Übelkeit oder Bauchschmerzen können auf entzündliche Störungen und Mikrobiomschäden des Darms hinweisen.

Mögliche Symptome von silent inflammation:

  • Müdigkeit, Schwäche und Erschöpfung
  • Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Depressionen
  • chronische Durchfälle, Bauchschmerzen und Blähungen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Muskel-, Gelenk- und Gliederschmerzen sowie Kopfschmerzen
  • Zahnschmerzen, Zahnfleischentzündungen
  • chronische Kiefer- oder Stirnhöhlenentzündung
  • häufiges Hitzegefühl im Wechsel mit Frösteln
  • subfebrile Temperaturerhöhung bis 37,5 Grad Celsius

Für eine sichere Frühdiagnose sind verschiedene Blut-, Urin- und Stuhluntersuchungen unumgänglich. Die Entzündungswerte des Blutes habe ich schon angesprochen. Ein normales „Kassen“-Labor reicht leider nicht, um silent inflammation sicher zu diagnostizieren.

Besonders wichtig erscheint mir die Bestimmung der Immunbotenstoffe (Zytokine, Interleukine). Ebenso sollten die verschiedenen nützlichen und schädlichen Darmbakterien mittels PCR-Analyse genetisch erkannt und mengenmäßig gemessen werden (NGS-Sequenzierung). Da die Funktion von Leber und Bauchspeicheldrüse einen wichtigen Einfluss auf die Darmflora hat, sollten auch Enzymfunktionen dieser Drüsen überprüft werten (Pankreaselastase, Gallensäuren). Zudem erfolgt der Ausschluss gefährlicher Darmentzündungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Darmkrebs (Vorstufen).

Zusammenhang zwischen Darm-Mikrobiom und Gehirn bzw. zentralem Nervensystem

Aktuelle wissenschaftliche Forschungsarbeiten zeigen immer deutlicher den Zusammenhang zwischen gesunder Darmflora und gesunder Neurofunktion. Umgedreht ist der Zusammenhang zwischen Fehlflora und neurologischen Erkrankungen mittlerweile bewiesen. Ein Suchtest auf Neuroinflammation, dies ist ein Sonderfall der stillen Entzündung, kann über die Gesundheit des zentralen Nervensystems Informationen liefern. Dieser Test heißt MCP-1 und misst entzündungsfördernde Immunbotenstoffe, die im Gehirn freigesetzt werden. Dies kann zunächst zu Depressionen führen. Immerhin 40 % aller Depressionserkrankungen entstehen auf dieser Grundlage. Später kann es auch zu Degeneration im Nervensystem kommen, was auf jeden Fall verhindert werden sollte. Der Therapieansatz besteht einerseits in der Stabilisierung des Darmmikrobioms und andererseits in der Gabe antientzündlicher Wirkstoffe. Antioxidantien, Grüntee-Extrakte, aktives SAMe (Aminosäure) und vor allem Kurkuma-Extrakte zusammen mit hochdosierten Omega-3-Fettsäuren können helfen, die Neuroinflammation zu behandeln. Hier ist die Prävention inklusive Frühdiagnostik besonders wichtig, da größere Schäden im ZNS oftmals irreversibel sind und mindestens zur Verminderung der Lebensqualität führen.

Therapie bei silent inflammation

Hier eine Zusammenfassung der therapeutischen Aspekte:

  • Entgiftung, Unterstützung der Entgiftungsfunktion von Leber, Niere und Lymphe
  • Zufuhr von Antioxidantien, z. B. grüner Tee und Extrakte daraus, Ubichinol-Spray, S-Adenosyl-Methionin (SAMe) und Resveratrol (im Rotwein vorhanden, doch Vorsicht: Alkohol ist das Neurotoxin Nummer 1, daher sind Nahrungsergänzungsmittel mit Resveratrol besser)
  • Stabilisierung des Darm-Immunsystems und der natürlichen Bakterienflora
  • antientzündliche Wirkstoffe, z. B. Kurkuma, am besten auf Basis von Cyclodextrin, und afrikanischer Weihrauch
  • Bewegung in Form von kombiniertem Kraft- und Ausdauertraining führt zur Gewichtsabnahme und Rückgang der Entzündungsaktivierung des Immunsystems
  • Herdsuche und (ggf. operative oder antibiotische) Herdsanierung: Zahnherde, chronische Nasennebenhöhlen- und Mandelentzündungen, subklinische Bilddarmreizungen und Adnexitis, Entzündungen der Haut (Abszesse, Akne), Dysbiosen, Pilz- und Parasiteninfektionen des Darms
    Tipp: Bei Verdacht auf chronische Nasennebenhöhlenentzündung ist ein MRT oder besser CT zur Diagnostik sinnvoll.

Folgende biologische Entzündungsblocker haben sich bei Inflammations-Hemmtestung als besonders wirksam erwiesen: Coenzym Q10 bzw. Ubichinol; Weihrauch-, Kurkuma- und Mariendistel-Extrakt; S-Adenosyl-Methionin (SAMe); antioxidative Vitamine, vor allem Vitamin C und E; Alpha-Liponsäure; OPC; Quercetin; Grün-Tee-Extrakte; Resveratrol; Lycopin; Glycin und Taurin; anti-nitrosative Vitamine (C, gemischte Tocopherole, Methylcobalamin); probiotische Symbionten (Laktobazillen, Bifidobakterien, Enterokokken); Präbiotika zur Förderung der mukosaprotektiven Bakterienflora (z. B. Akkermansia) in Form resistenter Stärke (Typ3) und Akazienfasern.

Eine Rezeptur, welche diese Komponenten beinhaltet, steht als Inflaprotect (Fa. Thustmed) zur Verfügung. Spezielle probiotische Darmbakterien in Kombination mit Akazienfasern und resistenter Stärke als Präbiotika sind unter dem Namen Intest Care (Fa. Thustmed) erhältlich.

Der Autor bietet Vorträge, Webinare und Seminare für Heilpraktiker und Ärzte u. a. zu den Themen Stoffwechsel, Immunsystem und Inflammation sowie ganzheitliche Labormedizin unter www.thust-seminare.de und www.thustmed.com an.