Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt … dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust geheime, tiefe Wunder öffnen sich. (J. W. v. Goethe, Faust I, Wald und Höhe)

Gleich vorweg: Der Erfinder des Waldbadens – das übrigens ganz ohne Wasser auskommt – war ein japanischer Förster, kein Mediziner oder Psychologe. Er betont, dass seine Methode mehr zur Prophylaxe als zur Therapie bestehender Krankheiten geeignet ist, was uns Heilpraktikern entgegenkommt, sehen wir doch gern auch auf die gesunden Aspekte beim Patienten, die es zu stärken gilt.

„Endlich einmal ein Trend, der nicht aus den USA zu uns kommt“, ist schon mal der erste positive Eindruck, den dieses schöne, aufwendig und sehr geschmackvoll illustrierte Bändchen auf mich macht. Ebenfalls positiv: Um sich auf Waldbaden einzulassen, muss man sich nicht erst einmal etwas kaufen – kein Kommerz also. Aber man muss das Kostbarste mitbringen, was man hat: Zeit. Shinrin Yoku arbeitet gegen den „Veloziferismus“, wie es Goethe nannte. Dieses Wort beschreibt unsere Gegenwart wohl noch besser als die seine, meint es doch nichts anderes als die teuflische Eile und Hektik, die nicht nur den allgegenwärtigen Pfusch hervorbringt, sondern obendrein krank macht. Auch wenn der Autor sich bemüht, uns Japan nahezubringen – das Land der aufgehenden Sonne wird uns doch fremd bleiben. Allerdings lässt sich leicht erkennen, dass Entschleunigung die andere Seite dieser boomenden Wirtschaftsmacht ist.