„Ich bin 8,32 m Styroporbecher im Jahr“ prangte auf der emaillierten Tasse, aus der ich 1986–89 während meiner Ausbildungszeit an der Josef-Angerer-Schule in München-Schwabing meinen Pausenkaffee in der Uni-Cafeteria schlürfte. Damals wurde der Spruch mehr oder weniger milde belächelt – heute ist dort Mehrweggeschirr Standard.

Was ich damit sagen will: Das Problem Plastikmüll ist nicht neu, hat aber inzwischen ungeheure Dimensionen angenommen. Heutzutage verhungern Wale, weil der ganze Magen voll Plastik ist, das sich nicht verdauen lässt. Das soll hier nicht weiter vertieft werden, nur eines noch: Der pazifische Müllstrudel – keine Delikatesse für Meeresbewohner – hat mit eineinhalb Millionen Quadratkilometern inzwischen die vierfache Größe Deutschlands.

Martin Dorey, der Autor des knappen, übersichtlichen und ansprechend gestalteten Ratgebers, ist Brite und in seinem Heimatland nirgends weiter als 130 Kilometer vom Meer entfernt. Allein dadurch hat er ein besonderes Verhältnis zu den Ozeanen. Er gründete 2009 als Spontaninitiative das Beach-Cleaning-Network zur Beseitigung von Plastikmüll an den Stränden der Britischen Inseln. Er bat jeden Strandbesucher, pro Tag zwei Minuten seiner Zeit am Strand dem Müllsammeln zu widmen, was dazu führte, dass innerhalb weniger Jahre allein die unter #2minutebeachclean gemeldete Plastikmüllmenge 2 000 Tonnen betrug. Doch Dorey war schnell klar, dass solche kosmetischen Maßnahmen allein nicht ausreichen, um dem Problem Herr zu werden. Und so fordert Dorey in seinem Praxisbuch jeden Leser auf, sofort damit anzufangen, täglich zwei Minuten Plastik einzusparen. Diese zwei Minuten beziehen sich sozusagen auf bewusste Entscheidungen, bestimmte Produkte ab sofort nicht mehr zu verwenden. Dass die viel belächelten Plastikwattestäbchen ganze 3,7 % des angeschwemmten Mülls ausmachen, hätte wohl niemand gedacht – zum Vergleich: Plastikflaschen machen 6,1 % davon aus. Dass die Plastikeinwegflasche bald Vergangenheit sein soll, ist begrüßenswert, doch solange über hohe Preise im Lebensmittelsektor geklagt wird und gleichzeitig Pfandflaschen und -dosen massenweise auf dem Müll landen, kann irgendetwas nicht stimmen. Es ist einfach, mit dem Finger auf andere zu zeigen, dabei sollten wir uns erst mal an die eigene Nase fassen. Das heißt für uns: unseren Praxisalltag kritisch betrachten. Natürlich will keiner wiederverwendbare Spritzen und Mehrwegkanülen einführen, doch mit wenigen Handgriffen lassen sich zum Beispiel Plastik und Papier trennen und entsprechend umweltfreundlich entsorgen. Gerade größere Betriebe, die „für so was keine Zeit haben“, könnten hier den größten Nutzen für die Umwelt erzielen.