Forscher der Universitäten in Tübingen und Lübeck konnten durch Experimente mit zehn Freiwilligen klären, wie Schlafmangel das Immunsystem schwächt. Da im Blut zirkulierende T-Zellen an Erreger oder infizierte Zellen andocken müssen, bevor sie diese eliminieren können, untersuchten die Forscher den Einfluss von Schlafentzug auf die Fähigkeit der T-Zellen zur Adhäsion. Diese hängt von einer über den T-Tell-Rezeptor (TCR) vermittelten Aktivierung von β-2-Integrin ab. Die Wissenschaftler ließen eine Gruppe von Teilnehmern nachts acht Stunden schlafen, während die anderen in dieser Zeit wachgehalten wurden. Durch den Schlafmangel wurde die Adhäsionsfähigkeit der T-Zellen der Betroffenen beeinträchtigt. Im Anschluss setzten die Wissenschaftler isolierte T-Zellen für einige Minuten dem Blutplasma aller Teilnehmer aus. Das Plasma der Personen mit Schlafmangel verminderte die Adhäsionsfähigkeit der T-Zellen ebenfalls signifikant.
Durch eine gezielte Blockade der sogenannten Gαs-gekoppelten Rezeptoren konnten die Forscher experimentell die T-Zellfunktion im Anschluss wiederherstellen. Agonisten dieser Rezeptoren sind unter anderem Adrenalin, Prostaglandin und Adenosin. Sie beeinträchtigen dosisabhängig über eine Stimulation der Rezeptoren die Aktivierung von Integrin und damit die Adhäsionsfähigkeit der T-Zellen. Schon drei Stunden Schlafmangel genügen, um die Funktion des Immunsystems zu vermindern. Autorin: Sabine Ritter