Zeitgeber sind auf den Menschen wirkende äußere oder innere Signale. Als sich wiederholende regelhafte Reize können sie auf Körperfunktionen rhythmengebend und zeitlich ordnend einwirken. Unsere wichtigste „innere Uhr“ ist im Nucleus suprachiasmaticus (engl. suprachiasmatic nucleus, SCN) lokalisiert, der im Hypothalamus liegt. Der SCN ist ein übergeordneter, aber nicht der einzige Taktgeber innerer Rhythmen.

Das harmonische Zusammenspiel unserer inneren Zeitgebersysteme mit den Zeitgebern des irdisch-kosmischen Umfeldes – vor allem dem Tag-Nacht-Rhythmus – hat Bedeutung für Gesundheit und Funktionsabläufe. Wie sehr die nur scheinbar autonomen inneren Rhythmen und Funktionen auch äußerer Taktgebung bedürfen, zeigen chronobiologische Forschungen. Besonders fehlende natürliche oder desynchronisierende soziale zirkadiane Zeitgeber können zur Ursache von Erkrankungen werden (1–3).

Folgerungen für Behandlungsmaßnahmen

Jedes Ereignis und damit auch jede therapeutische Maßnahme kann potenziell als Zeitgeberreiz wirken und sowohl innere Uhren als auch innere Rhythmen beeinflussen. Stärke, Qualität und Zeitpunkt einer therapeutischen Maßnahme bestimmen ihre Zeitgeberwirkung, wobei das „Wann“ und „Wie“ entscheidend beeinflussen, ob eine Maßnahme stärkend oder gar schwächend auf Rhythmen und Funktionen einwirkt. Es ist daher notwendig, auch in dieser Hinsicht Überlegungen zu den Auswirkungen eines Behandlungskonzepts (Zeitpunkt, Stärke, Häufigkeit, rhythmische Wirkung) einzubeziehen. Für die Diagnose gilt es, den Anteil rhythmischer Störungen am Krankheitsgeschehen festzustellen.