Unsere Lebensrhythmik ergibt sich aus dem mehr oder weniger geordneten Lauf unserer Lebensaktivität im Tageskreis, Wochenkreis, Jahreskreis, Lebenszeitkreis und Konstitutionskreis. In der Literatur bildet der Jahreskreis ganz klar den Interessenschwerpunkt. Was macht den Jahreskreis so interessant?

Der Blick auf die Uhr der Zeitqualität liefert einen wichtigen Hinweis: Der Jahreskreis liegt mittig, zwischen der kurzwelligen Lebensrhythmik Woche/Tag und der langwelligen Lebenszeit/Konstitution. Er ist damit wortwörtlich interessant – in der Wortbedeutung von inter = zwischen und esse = sein.

​Abb. 1: Die Uhr der Zeitqualität zeigt den Jahreskreis (blau) mittig zwischen den kurzwelligen und langwelligen Lebensrhythmen ​Christoph Proeller
​Abb. 1: Die Uhr der Zeitqualität zeigt den Jahreskreis (blau) mittig zwischen den kurzwelligen und langwelligen Lebensrhythmen ​

Etwa 365 Tageszyklen bzw. etwa 52 Wochenzyklen ergeben einen Jahreszyklus; etwa 84 durchlebte Jahreszyklen ergeben einen Lebenszeitzyklus. In dieser mittigen Stellung hat der Jahreskreis auch eine interessante Mittlerrolle. In ihm kommen sowohl materiell-körperliche Themen hoch, d. h. kurzwellige, die Grundstabilität betreffende, als auch seelisch-geistige, d. h. langwellige, die Richtungsstabilität betreffende. In der jovialen Zeitqualität eines jeden Lebenskreises verinnerlicht sich die Lebensaktivität. Im Herbst, der jovialen Zeitqualität des Jahres, verinnerlichen sich z. B. in der Pflanzenwelt die Lebenssäfte, und die äußeren Blätter fallen ab. In unserem Lebensherbst, der jovialen Zeitqualität unserer Lebenszeit (etwa 43.–56. Lebensjahr), verinnerlichen sich auch unsere Lebenskräfte: Wir altern äußerlich sichtbar. Im Lauf eines Jahres lässt sich folglich – in abstrakter Schau – auch der Lauf unseres ganzen Lebens erkennen.