Schwerpunkt
Naturheilpraxis 03/2020

Reizmagen? Harmonisieren statt Blockieren

"Die Mitte muss vor allen anderen Symptomen wieder ins harmonische Gleichgewicht gebracht werden, denn die Mitte ist die Wurzel aller Gesundheit", sagt die traditionelle chinesische Medizin über den Magen-Darm-Trakt. Im westlichen Praxisalltag ist vor allem der Magen buchstäblich hoch im Kurs: Von 3,66 Milliarden Tagesportionen Säurepumpenhemmer (Protonenpumpeninhibitoren PPI) berichtet der Arzneiverordnungsreport bereits 2015. Wann sind PPI hilfreich und notwendig? Wann können sie sogar schaden? Und was können westliche wie östliche Erfahrungs- und Naturheilkunde und auch Betroffene selbst beitragen zu einer "harmonischen Mitte"?

Ein Beitrag von Dr. med. Susanne Bihlmaier
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Erst Anamnese, dann Therapie

80 Prozent einer Therapie ergeben sich aus der Anamnese – ein zeitlos hochaktuelles Statement der Inneren Medizin. Für Magenbeschwerden bedeutet das: detailliert be- und nachfragen und erst nach klarer Symptomlage therapieren. Ein schmerzhaftes Brennen hinter dem Brustbein ohne Hinweis auf Herzsymptome, oder aber Heiserkeit ohne Erkältung weisen auf Magensäurerückfluss in die vor Säure ungeschützte Speiseröhre hin. Wiederholter bzw. latenter Reflux birgt die Gefahr maligner ösophagealer Zellproliferation. Hier schafft eine Gastroskopie schnell, einfach und sicher Klarheit.

Nachvollziehbar medizinisch indiziert, sogar lebensrettend, sind Protonenpumpeninhibitoren

  1. bei chronischer Refluxkrankheit mit wiederholten oder komplizierten Ulcera in Magen/Zwölffingerdarm,
  2. bei einer zwingend notwendigen Behandlung mit nichtsteroidalen Antirheumatika und
  3. bei Blutungsrisiko wegen medikamentöser Blutplättchenhemmung bei Herzerkrankung.

Übergebrauch und Nebenwirkungen von PPI

„In jüngster Zeit mehren sich die Hinweise, dass eine langfristige Einnahme von PPI mehr Nebenwirkungen verursachen könnte als bisher bekannt“, mahnt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten DGVS (1). Studien weisen auf ein höheres Risiko für Osteoporose, Nierenversagen, Herzinfarkt und Demenz hin. PPI verändern mit der Säurehemmung den Magenbrei, was wiederum die Darmflora dahingehend verändert, dass vermehrt Entzündungen gefördert werden. Neu ist der Hinweis aus einer österreichischen Untersuchung, wonach mit PPI die Wahrscheinlichkeit zunimmt, eine Allergie zu entwickeln (2). Ein Übersichtsartikel im Ärzteblatt 2016 zieht das Fazit: „PPI gehören zu den wirksamsten Medikamenten in der Therapie (Magen-)säureassoziierter Erkrankungen. Wegen möglicher Nebenwirkungen (…) sollte sich der Einsatz auf gesicherte Indikationen beschränken.“ (3)

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Naturheilpraxis 03/2020

Erschienen am 02. März 2020