Eine gute Ausbildung sollte auch Übungseinheiten unter realen Bedingungen beinhalten, denn am Gesunden kann man i. d. R. kaum pathologische Befunde ermitteln und behandeln. Deshalb betreiben viele Bildungsinstitute Lehrpraxen, in denen man den Schülern/Studenten die Möglichkeit einräumt, mit echten Patienten zu üben. Doch nur weil die Leistungen im Rahmen eines Schulbetriebs stattfinden, heißt das nicht, dass es sich um eine Behandlung handelt, für die in medizinischer Hinsicht andere Regeln gelten als in einer regulären Praxis.

Nehmen wir an, dass sowohl das Bildungsinstitut als auch die Heilpraktikeranwärter (HPA) Patienten gezielt für die Lehrpraxis anwerben und mit ihnen ein Termin vereinbaren, zu dem sie sich in der Praxis einfinden sollen. Wichtig ist zu diesem Zeitpunkt, die Patienten spätestens jetzt darauf hinzuweisen, dass sie (auch) von HPA untersucht und behandelt werden. Dies sollten die für den Praxisbetrieb verantwortlichen Personen unbedingt in den jetzt zu schließenden Behandlungsvertrag mit aufnehmen. In diesem Behandlungsvertrag muss außerdem für den Patienten klar ersichtlich sein, wer Vertragspartner und wer Behandler ist. Wird er in einer normalen, inhabergeführten Praxis behandelt, kann der Patient sofort erkennen, wer die verantwortliche Behandlungsperson ist. Das ist in der Regel der Praxisinhaber, jedoch nicht zwingend, etwa wenn ein angestellter Heilpraktiker die Behandlung durchführt. Das trifft bei einem Institut nicht zu, da es nicht die Kernaufgabe einer derartigen Lehranstalt ist, Patienten zu behandeln. Das Institut muss einen Ausbildungsbetrieb gewährleisten. Deshalb empfiehlt es sich, eine natürliche Person (Arzt oder Heilpraktiker) zu benennen, die zur Ausübung der Heilkunde berechtigt ist und die Verantwortung für die Behandlungen trägt.