Horizont
Naturheilpraxis 12/2022

Psychedelika-Medizin

Die wunde Seele heilen

Psychedelika gehören seit Urzeiten zum Heilmittelschatz der Menschheit, im religiös-kultischen Kontext und im psychotherapeutischen Setting. Von Gesetzes wegen sind sie seit Jahrzehnten illegal und auch für die Forschung tabu. Doch es gibt Anzeichen für eine Renaissance der Psychedelika-Medizin. Vor allem traumatisierte Menschen profitieren von psychoaktiven Heilwirkungen.

Ein Kommentar von Dr. Eberhard J. Wormer
Lesezeit: ca. 12 Minuten
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Angenommen, Sie haben schwere persönliche Verluste erlitten, einen Unfall oder Gewalterfahrungen überlebt – und Ihr Trauma ist geblieben. Es quält Sie immerzu. Sie wurden jahrelang mit Antidepressiva und Psychotherapie behandelt, ohne wesentliche Besserung. Sie möchten Ihre Situation verändern und entscheiden sich für eine Psychedelika-Therapie.

Die Behandlung erfolgt im Setting: Vorgespräch, Medikation eines Pychedelikums (beispielsweise Psilocybin) und therapeutische Nachbearbeitung (Integration). Die Sitzung findet in Räumlichkeiten mit „Wohnzimmeratmosphäre“ statt. Sie liegen bequem, bei gedämpftem Licht, die Augen bedeckt, hören ausgewählte Musik über Kopfhörer und erleben eine mehrstündige „Reise zum Ich“, von Therapeuten begleitet. Zukunftsmusik, zumindest in Deutschland.

Das war vor hundert Jahren noch anders. Die moderne Psychedelika-Medizin entstand in Deutschland, um 1900. Klinische Studien wurden bereits in den 1920er-Jahren durchgeführt. Soziale, politische und kulturelle Umbrüche in den 1960er-Jahren trugen dann zur wachsenden Popularität von Psychedelika/Halluzinogenen bei. Da Psychedelika spirituelle Erfahrungen vermitteln, taufte man sie Entheogene (1). Die Medizin nutzte sie therapeutisch, die Hippie-Kultur pries sie als Heilsbringer und das FBI setzte sie als Waffe ein. 1972 proklamierten die USA den „Krieg gegen die Drogen“. Psychedelika wurden als solche deklariert, geächtet und verboten – Status quo bis heute.

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