Die Ausrichtung der Herzprophylaxe hat sich in meiner Praxis über die Jahre in unerwarteter und überraschender Art und Weise gewandelt: Sah ich bei Patienten mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern und dementsprechend handfester körperlicher Pathologie vor allem Organ und Physis als therapeutischen Ansatzpunkt, so erkenne ich jetzt bei diesen Patienten vor allem ein bedrängtes Herz, das in seiner Funktion als „Sitz der Lebensfreude“ leidet – und dem dann erst sekundär Organ und Physis in die Pathologie folgen.

Dies mag auf den ersten Blick befremden, kennt man doch die Erkrankungswege des Herzens bis ins letzte Detail. Dennoch zeigt die Erfahrung der Praxis, dass die Behandlung des „traurigen Herzens“ parallel zur grundsätzlich notwendigen Therapie oft wie ein Zauberstab wirkt und nicht nur viel Therapiewiderstand beseitigt, sondern auch die belastenden Einflüsse anderer Organe auf das Herz mindert – ohne dass man diese therapeutisch überhaupt angesprochen hätte. Besonders deutlich erkennt man die Priorität des traurigen Herzens als virtueller Ausgangspunkt klinischer Herzpathologien in den Anfangsstadien von Herzerkrankungen: Hier lässt sich – mit etwas Glück – die gesamte Angelegenheit mithilfe einer Therapie des „seelischen Aspektes“ des Herzens auf einen Schlag beseitigen. Die krank machende Potenz des traurigen Herzens im Bedingungskomplex manifester Herzerkrankungen ist alleine schon beachtenswert. Ich möchte Sie hier aber vor allem auf die Bedeutung des traurigen Herzens im Rahmen der Herzkrankheit-Prophylaxe hinweisen: Regelmäßig findet man vor der organischen Krankheit die Kränkung des seelischen Aspektes des Herzens. Hier ließe sich also vor der körperlichen Manifestation und substanziellen Veränderung therapeutisch eingreifen und damit Schlimmeres verhindern.