Schwerpunkt
Naturheilpraxis 02/2019

Prophylaxe von Herzkrankheiten

Behandlung des „traurigen Herzens“

Die Ausrichtung der Herzprophylaxe hat sich in meiner Praxis über die Jahre in unerwarteter und überraschender Art und Weise gewandelt: Sah ich bei Patienten mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern und dementsprechend handfester körperlicher Pathologie vor allem Organ und Physis als therapeutischen Ansatzpunkt, so erkenne ich jetzt bei diesen Patienten vor allem ein bedrängtes Herz, das in seiner Funktion als "Sitz der Lebensfreude" leidet – und dem dann erst sekundär Organ und Physis in die Pathologie folgen.

Ein Beitrag von Christian Heimüller
Lesezeit: ca. 12 Minuten

Dies mag auf den ersten Blick befremden, kennt man doch die Erkrankungswege des Herzens bis ins letzte Detail. Dennoch zeigt die Erfahrung der Praxis, dass die Behandlung des „traurigen Herzens“ parallel zur grundsätzlich notwendigen Therapie oft wie ein Zauberstab wirkt und nicht nur viel Therapiewiderstand beseitigt, sondern auch die belastenden Einflüsse anderer Organe auf das Herz mindert – ohne dass man diese therapeutisch überhaupt angesprochen hätte. Besonders deutlich erkennt man die Priorität des traurigen Herzens als virtueller Ausgangspunkt klinischer Herzpathologien in den Anfangsstadien von Herzerkrankungen: Hier lässt sich – mit etwas Glück – die gesamte Angelegenheit mithilfe einer Therapie des „seelischen Aspektes“ des Herzens auf einen Schlag beseitigen. Die krank machende Potenz des traurigen Herzens im Bedingungskomplex manifester Herzerkrankungen ist alleine schon beachtenswert. Ich möchte Sie hier aber vor allem auf die Bedeutung des traurigen Herzens im Rahmen der Herzkrankheit-Prophylaxe hinweisen: Regelmäßig findet man vor der organischen Krankheit die Kränkung des seelischen Aspektes des Herzens. Hier ließe sich also vor der körperlichen Manifestation und substanziellen Veränderung therapeutisch eingreifen und damit Schlimmeres verhindern.

Dessen ungeachtet stehen therapeutisch dennoch an erster Stelle: ganz grundsätzlich Diätetik (Ernährung, Alkohol, Tabak, Schlaf, Bewegung etc.), Stützung des Herzens als Organ (mit Crataegus, Cactus, Spigelia, Spongia, Glykosiden etc.) sowie der Schutz des Herzens vor pathologischen Belastungen wie Infektfolgen oder toxischen Einflüssen.

Das Herz als Sitz des Lebensgeistes

Das Herz war in der Antike der Sitz des „spiritus vitalis“ – des Lebensgeistes – und damit auch Sitz der Seele. Avicenna (ca. 1 000 n. Chr.) schreibt (1), am Urin könne man den Zustand der Leber erkennen, da in der Leber die Säfte entstehen; der Puls jedoch wäre ein Ausdruck der Seele, da der Sitz der Seele im Herzen sei. Auch ein Analogismus mit der Sonne des Makrokosmos wurde dem Herzen im Mikrokosmos Mensch zugeschrieben: „Das Herz ist die Sonne, und wie die Sonne in die Erde und sich selbst wirkt, so auch das Herz dem Leibe und sich selbst.“ Paracelsus (2). Aus dieser Anschauung heraus wurden alle Mittel, die der Sonne zuzuordnen waren, als Herzmittel eingesetzt (Gold, Safran, Schöllkraut etc.). Auch der seelische Aspekt von Herzerkrankungen war damit schon implizit ausgedrückt.
Der spiritus vitalis war zuständig für Wahrnehmung und Sensorik. Störungen zogen eine Art „seelischer Blindheit“ nach sich: Die Seele wurde stumm, die innere Sonne verdüsterte sich.

Lesen Sie den vollen Artikel in

Naturheilpraxis 02/2019

Erschienen am 01. Februar 2019