Porträt
Naturheilpraxis 05/2020

Prävention durch Osteopathie

Die Osteopathie hat in den letzten Jahren enormen Aufwind in der öffentlichen Wahrnehmung und im kassenmedizinischen Gesundheitssystem erfahren. Das liegt nicht zuletzt daran, dass an vielen Osteopathieschulen Arbeiten auf wissenschaftlicher Basis durchgeführt werden müssen, um einen Abschluss als D. O., B. Sc. oder M. Sc. zu erlangen.

Ein Gespräch mit Simone Rösing
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Neben dem therapeutischen Einsatz eignet sich die Osteopathie auch zur Prävention. Mit der Ärztin Simone Rösing sprachen wir über Osteopathie im Allgemeinen und die Prävention mithilfe von Osteopathie im Speziellen.

Frau Rösing, was verstehen Sie unter Prävention durch Osteopathie?

Prävention lässt sich in drei Bereiche unterteilen: Der erste ist die primäre Prävention, im Sinne einer Gesundheitsförderung, einer allgemeinen Früherkennung und Minimierung von Risikofaktoren. Die sekundäre Prävention, im Sinne einer frühzeitigen Erkennung bei Verdacht auf eine bestimmte Krankheit, zielt auf die Vorbeugung und Wiederherstellung der Gesundheit bzw. auf die Heilung. Bei der tertiären Prävention geht es darum, der voranschreitenden Chronifizierung einer Krankheit entgegenzuwirken. Die Osteopathie hat einen Stellenwert in allen drei Bereichen der Prävention. Den Hauptanteil würde ich aber in der sekundären Prävention ansiedeln.

Wie wird die Osteopathie präventiv eingesetzt?

Der osteopathische Ansatz dient dem Finden und Lösen funktioneller Störungen unterschiedlicher Organsysteme, die strukturellen Störungen zeitlich oft vorangehen. Bei Patienten äußert sich dies in Befindlichkeitsstörungen wie Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Müdigkeit, aber laborchemische und bildgebende Verfahren sind häufig noch befundlos. In diesem Bereich war der Ansatz der osteopathischen Medizin vielversprechend. Hier sind wir in einem zeitlichen Bereich, in dem der Schulmediziner noch keine Krankheit feststellt. Per Definition ein Bereich der Prävention.