Schwerpunkt
Naturheilpraxis 10/2020

Postinfektiös zu neuem Schwung mit Phytotherapie

Oftmals fühlen sich Patienten nach einer viralen oder bakteriellen Infektion noch wochenlang müde, kraftlos und erschöpft. Aufgrund der aktuellen Pandemie rechnen Fachleute mit einer Zunahme der Betroffenen, die physisch weniger belastbar sind als vor ihrer Erkrankung und teilweise ihrer einstigen mentalen Leistungsfähigkeit hinterher trauern. Durch eine Differenzierung der Ursachen nach den Kriterien der chinesischen Medizin können gezielt geeignete Arzneipflanzen ausgewählt werden, um die Beschwerden der Betroffenen zu lindern.

Ein Beitrag von Sabine Ritter
Lesezeit: ca. 9 Minuten

Gerade im Anschluss an Infektionen suchen viele Patienten natürliche Hilfe, wenn ihre Kräfte an ihre ursprüngliche Leistungsfähigkeit nicht mehr heranreichen. Obwohl sie deutlich mehr als üblich schlafen, fühlen sie sich vielfach ständig müde. An den einst so geliebten Sport ist gar nicht zu denken und auch beim Lesen haben sie das Gefühl, dass sie die Inhalte nicht richtig aufnehmen. Alles geht langsamer als vor der Erkrankung. Den Anforderungen des Alltags fühlen sie sich kaum noch gewachsen.

Individuelle Auswahl der Arzneipflanzen mit TCM

In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, die Symptome nach den Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin zu differenzieren. Wenn Anstrengung die Beschwerden verschlechtert, liegt es nahe, an eine Qi-Leere zu denken. Häufig sind nach einer Erkrankung das Milz- oder Nieren-Qi betroffen. Die Betroffenen fühlen sich typischerweise nach Erholungspausen kräftiger. Aufgrund einer Schwäche des Milz-Qis mangelt es ihnen an Kraft in den Extremitäten, aber auch an Appetit. Meist essen sie deshalb nur kleine Portionen oder vornehmlich Süßes. Typischerweise leiden sie zusätzlich unter Verdauungsbeschwerden. Häufiger Harndrang, eine Schwäche im unteren Rücken oder kalte Füße weisen dagegen auf eine Schwäche des Nieren-Qis hin. Es können allerdings auch beide Organe gemeinsam geschwächt sein. Zudem kann begleitend eine Leber-Qi-Stagnation auftreten, die sich unter anderem durch Schmerzen an wechselnden Stellen manifestieren kann.