Krebsforum
Naturheilpraxis 03/2020

Pathogenese östrogenabhängiger Mammakarzinome

Natürliche Strategien der Prävention

Hinsichtlich des Pathomechanismus von Mammakarzinomen konnten in jüngster Zeit besonders Östrogenmetabolite als kanzerogene Agentien identifiziert werden. Dies beinhaltet auch die Chance, in den Metabolismus der Östrogene einzugreifen und das kanzerogene Risiko zu senken. Licochalkon A (1) aus der Süßholzwurzel und Xanthuhumol (2) aus dem Hopfen sind vielversprechende Kandidaten der Prävention.

Ein Beitrag von Jens Bielenberg
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Die International Agency for Research on Cancer (IARC) zählt Östron und Östradiol zu den Substanzen, die bei Versuchstieren und Menschen karzinogen sind. Eine Expertengruppe des National Toxicology Program des National Institute of Environmental Health Sciences der USA schlug bereits im Dezember 2000 vor, die steroidalen Östrogene in die Liste der Karzinogene aufzunehmen. Dieses Gremium betonte, dass „Östrogene nicht nur mit einem erhöhten Risiko für Karzinome assoziiert sind, sondern dass es sich um Substanzen handelt, die bekannte Ursachen von menschlichen Karzinomen sind“ (3, 4).

Östrogene können in Zellen bzw. Geweben, die keine Östrogenrezeptoren exprimieren, maligne Tumoren induzieren. Zum Beispiel konnten MCF-10F-Zellen (humane Mammaepithelzellen ohne Östrogenrezeptoren) mit Östradiol in niedrig physiologischer Konzentration maligne transformieren. Da Östradiol selbst keine direkt mutagene Wirkung hat, wurde vermutet, dass Stoffwechselprodukte dieses Steroids zu DNA-Schäden führen könnten. In der Tat konnte gezeigt werden, dass die durch Hydroxylierung von Östradiol bzw. Östron gebildeten Katecholöstrogene (2-Hydroxy- bzw. 4-Hydroxyöstrogene) zu entsprechenden Chinonen metabolisiert werden, die direkt mit der DNA reagieren können. Die Metaboliten der 2-Hydroxyöstrogene bilden stabile DNA-Addukte und haben eine geringe mutagene Potenz. Die DNA-Addukte der Metaboliten der 4-Hydroxyöstrogene sind jedoch instabil und führen zum Verlust von Guanin oder Adenosin aus der DNA. Dadurch kommt es zu Einzelstrangbrüchen, Punktmutationen und zur Bildung von „bulky DNA-adducts“ (4).