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Naturheilpraxis 06/2018

Panax ginseng – der König unter den Adaptogenen

Teil 1: Allgemeines zum Allheilmittel

Ewiges Leben, ewige Gesundheit und Unsterblichkeit – dieser Traum ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon immer suchten die Menschen nach dem einen Kraut, dem einen Wundermittel oder Elixier, dem Brunnen oder der Frucht, die sie unsterblich machen soll. Laut koreanischen Legenden gibt es einen Weg, der unsterblich macht: Man müsse den weißen Saft einer Ginsengwurzel zu sich nehmen, die über 300 Jahre alt ist. So wurde der Ginseng ein Sinnbild für ein langes Leben und eine gute Gesundheit.

Ein Beitrag von Natalia Leutnant
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Natalia Leutnant

Panax Ginseng wurde vor etwa 5 000 Jahren in der chinesischen Mandschurei entdeckt. Schon kurz darauf war die Nachfrage danach höher als seine Verfügbarkeit.
Als vor über 5 000 Jahren die Heilwirkung des Ginsengs bekannt wurde, war es nur dem chinesischen Kaiser und hohen Adligen erlaubt, die Ginsengwurzel zu sich zu nehmen. Trotzdem wurde die Pflanze schnell nahezu ausgerottet. Wilder Ginseng wurde teurer als Gold und stand in China unter strenger Bewachung. Heutzutage ist wilder Ginseng immer noch in sehr beschränktem Maße verfügbar, als Kulturpflanze wird er jedoch weltweit angebaut. Sogar in Deutschland: Seit über 30 Jahren werden Ginsengwurzeln in der Lüneburger Heide gezüchtet.

Geschichte des Ginsengs

Um seine Entdeckung ranken sich viele Mythen und Legenden. So erzählt eine Legende, dass der Ginseng die Pflanze eines mächtigen Geistes sei, der über die Wälder und Berge herrscht. Nur die Menschen, die nach einer Ginsengwurzel suchen und eine reine Seele haben, würden von dem Berggeist mit solchen Wurzeln beschenkt. Die Ginsengsucher lebten deshalb viele Wochen vor ihrer Bergwanderung sehr asketisch und keusch, verzichteten auf tierische Nahrung, reinigten sich jeden Tag in einem Heilbrunnen und beteten direkt zu dem Berggeist. Wochen und Monate lang suchten die Ginsengsammler nach den kostbaren Wurzeln. Viele von ihnen kamen dabei durch Unfälle, wilde Tiere oder Überfalle ums Leben und kehrten nie nach Hause zurück.
Die erste schriftliche Erwähnung des Ginsengs findet sich etwa im Jahre 40 v. Chr. Der arabische Seefahrer Ibn Cardona brachte die heilige Wurzel im 9. Jahrhundert n. Chr. aus China mit in seine Heimat, den damals von Arabern besetzen Teil Spaniens. Im 13. Jahrhundert berichtet Marco Polo in Venedig nach seiner Rückkehr aus China von der Wurzel, die gesund und „unsterblich“ mache. Danach kam die Wunderwurzel erst wieder Anfang des 17. Jahreshunderts durch holländische Seefahrer und Kaufleute nach Europa.
Zu diesem Zeitpunkt wurden die verfügbaren Informationen über die Wurzel mühsam von Gelehrten zusammengetragen. Willem Piso (1611–1678) verfasste die erste Monografie unter dem Namen „Ninzin“, womit er den ersten großen Ginsengboom auslöste.
Dies führte dazu, dass der Ginseng schon bald in ganz Europa als wahres Allheilmittel angeboten wurde. Viele Ärzte verschrieben ihn hauptsächlich bei Erschöpfungszuständen und Kraftlosigkeit.
Doch schon bald kursierten unterschiedliche Expertenmeinungen, und in der rational denkenden europäischen Medizin wurde die Pflanze um 1800 aus den meisten Pharmakopien gestrichen.
Erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern, sich wieder intensiv mit dem Ginseng zu beschäftigen. Sie analysierten die chemischen Komponenten der Pflanze und führten unzählige Studien durch, um die Wirkung der Ginsengwurzel zu untersuchen und zu bestätigen.
50 g einer koreanischen Wurzel kosten noch heute bis zu 100 Dollar. Die Kostbarkeit der Wurzel war lange Zeit der Grund, weshalb größere Studien ausblieben: Sie waren einfach zu teuer. Mittlerweile aber ist die Wurzel ausreichend untersucht und mit einer positiven Monografie bewertet worden.

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Naturheilpraxis 06/2018

Erschienen am 01. Juni 2018