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Naturheilpraxis 11/2019

Osteopathie und Diabetes mellitus

Gedanken zu unterstützenden Behandlungsoptionen

Bei einer Diabetes mellitus-Erkrankung handelt es sich im Allgemeinen um eine verminderte Produktion des Hormons Insulin, welche angeboren oder erworben sein kann. Beim Diabetes mellitus Typ 2 kommt es zu einer chronischen Störung des Glukosestoffwechsels.

Ein Beitrag von Sebastian Belz
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Laut einer Schätzung der Deutschen Diabetes Gesellschaft kostet Diabetes die Sozialkassen jährlich rund 35 Milliarden Euro. Neben der Insulintherapie wird den Patienten meist eine Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion empfohlen und zu einem aktiveren Lebensstil und zu Stressreduktion geraten. Aber können auch weitere komplementäre Maßnahmen sinnvoll sein?

Osteopathie zur Unterstützung?

Unter osteopathischen Gesichtspunkten („Leben ist Bewegung“) können Verbesserungen der Zirkulation von Flüssigkeiten rund um den Pankreas und die Befreiung umliegender Organe und Gewebe eine mögliche Maßnahme sein. Aus diesen Gründen kann die Osteopathie beim Diabetes mellitus Typ 2 eine unterstützende Tätigkeit leisten. Sie kann die Krankheit nicht heilen, jedoch positiv beeinflussen. Der Osteopath versucht über die Behandlung von verschiedenen Bindegewebsstrukturen (Faszien) die Organe, welche die Bauchspeicheldrüse umgeben – z. B. Magen, Darm und Leber – sowie bestimmte Brustwirbelsäulenabschnitte zu mobilisieren, um somit die Ver- und Entsorgung der Bauchspeicheldrüse positiv zu beeinflussen. Diese Art der manuellen Mobilisation könnte den Stoffwechsel in der Region der Bauchspeicheldrüse verbessern. Damit könnten mögliche Spätfolgen, wie ein diabetischer Fuß, Erblindung oder Gefühlsstörungen in den Armen und Beinen, vermieden werden.

Osteopathische Behandlungsansätze werden stets unter Berücksichtigung anatomischer und physiologischer Gegebenheiten vollzogen. Dem geht eine ausführliche körperliche Untersuchung mit einer entsprechenden manuellen Diagnostik voraus.Eine Behandlung mit den Händen bei einem Diabetes wirkt meist erst einmal befremdlich und undenkbar, sowohl für betroffene Patienten wie auch Außenstehende. Aber bei noch funktionstüchtigen Arealen in der Bauchspeicheldrüse kann eine mechanische Intervention eine unterstützende Maßnahme sein. Schon 1906 beschrieb der Osteopath Marion Edward Clark in seinem Buch „Angewandte Anatomie“ den Zusammenhang zwischen Funktionsstörungen des Pankreas und dem sechsten, siebten und achten Brustwirbel, sowie den dazugehörigen Rippen. Daneben sollen auch Funktionsstörungen der Gallenblase und des Nervus vagus Einfluss auf die Funktion der Bauchspeicheldrüse nehmen. Der Begründer der Osteopathie und Arzt, Dr. Andrew Taylor Still, beschrieb in seinem Buch „Forschung und Praxis“ vier Jahre später als Clark, dass Diabetes und Fettleibigkeit „Wirkungen von schweren Subluxationen in der Gegend des ersten, zweiten, dritten und vierten Brustwirbelkörpers“ seien. Diese würden aus der mechanischen Sicht der Osteopathie dafür sorgen, dass der Sympathische Grenzstrang, der nahe der Rippenköpfe verläuft, irritiert werde. Denn Sympathische Fasern erreichen über den Nervus splanchnicus major das Ganglion celiacum, wo sie auf das zweite sympathische Neuron umgeschaltet werden, welches dann in die Bauchspeicheldrüse zieht. Auch der zehnte Hirnnerv sollte über das Cranium angesteuert werden, um somit den parasympathischen Einfluss zu regulieren. Dr. Still riet weiter dazu, in diesem Bereich „die Empfindung, die Bewegung und die Ernährung in Betracht“ zu ziehen. Weiterhin riet er unter anderem, „sanft den Magen und die Eingeweide von der rechten auf die linke Seite“ zu ziehen.

Studie zu Osteopathie bei Diabetes

Im Jahr 2015 wurde im Rahmen einer Masterthesis der Einfluss von Osteopathie auf den Langzeitblutzuckerwert HbA1c und die Lebensqualität von Diabetikern untersucht (1).Hierbei konnte in der Interventionsgruppe eine statistisch signifikante Verbesserung des HbA1c-Wertes innerhalb des Untersuchungszeitraumes erreicht werden (p = 0,006). Auch in der Kontrollgruppe sank der HbA1c im Durchschnitt (p = 0,648). Zudem kam es zu einer Verbesserung der Lebensqualität im psychischen und physischen Bereich. Die Ergebnisse dieser Studie lassen vermuten, dass Osteopathie eine sinnvolle Ergänzung in der Therapie von Diabetes mellitus Typ 2 sein kann.

Weitere mögliche Wirkmechanismen, auch im Bezug zu oben genannten Behandlungsideen, sollten weiter erforscht werden und könnten somit für das Potenzial der Osteopathie als komplementäre Medizin und den Beruf des Osteopathen sehr wichtig sein.

Der vorliegende Artikel ist eine Zusammenfassung aus Osteopathie – Das Praxismagazin, Heft 2/2019.

Verfasser

Sebastian Belz, M. Sc. D. O.
Hochschule Fresenius, Fachbereich Gesundheit & Soziales
Limburger Straße 2
65510 Idstein
sebastian.belz@hs-fresenius.de

Quellen

  1. Dodenhöft-Neukam A, Kolb C: Hat eine osteopathische Behandlung einen positiven Einfluss auf Patienten mit Diabetes mellitus Typ II? Eingereichte und unveröffentlichte Masterthesis, 2015

Dieser Artikel ist erschienen in

Naturheilpraxis 11/2019

Erschienen am 04. November 2019