Wir sind nicht nur auf dem besten Wege, uns immer weiter von der Natur zu entfernen, sondern wir befinden uns bereits mitten in diesem Prozess. Wir Naturheilkundler sollten versuchen zu eruieren, wie weit wir selbst mit unseren Ansichten und Therapiehinweisen in diesen Werdegang verwickelt sind. Das reine Kalorienzählen, die quantitativ zurückgelegte Bewegungsstrecke, die Entspannung mittels Kopfhörer durch Synthesizermusik oder tote Frequenzstimulation sind nicht die Lösung. Sie zeigen nur eine Variante des Natur-Defizit-Syndroms.

Vor Kurzem war ich für einen Fachvortrag von Dortmund nach Freiburg mit dem Zug unterwegs. Während der Fahrt schaute ich aus dem Fenster oder döste. So nahm ich die wechselnden Landschaften und die tageszeitlichen Lichtveränderungen wahr. Über fünf Stunden Zugfahrt beschäftigten sich die meisten anderen Fahrgäste mit ihrem Handy oder Computer, teilweise sogar mit beiden gleichzeitig. Junge Leute hatten die meiste Zeit Kopfhörer auf den Ohren und nahmen rein gar nichts von der Außenwelt wahr. Fuhr der Zug in einen Bahnhof ein, bemerkte ich, dass fast alle Wartenden auf dem Bahnsteig in ihr Smartphone schauten. Was um alles in der Welt kann so wichtig sein, dass ich ständig parat sein muss? Eine neunzigjährige Patientin erzählte mir mal: „Zu meiner Zeit sagte man, nur Lakaien sind ständig erreichbar.“