Fachforum
Naturheilpraxis 11/2020

Nahrungsmittelallergien

Patienten, die unter Nahrungsmittelallergien leiden, beobachten die typischen Unverträglichkeitssymptome nicht selten bei zwei, drei oder gar vier Lebensmitteln. Theoretisch kann jedes Nahrungsmittel, das wir essen, als Allergen wirken, doch sind ihre allergischen Potenziale unterschiedlich.

Ein Beitrag von Margret Rupprecht
Lesezeit: ca. 8 Minuten
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Wie entsteht eine Lebensmittelallergie? Wenn man sich die Abläufe plastisch vorstellen will, lassen sie sich etwa folgendermaßen beschreiben: Durch insuffiziente Verdauungsprozesse in Magen und Dünndarm wird ein Nahrungsprotein nicht vollständig in seine einzelnen Aminosäuren zerlegt. Kleine Stückchen bleiben übrig, meist Proteine oder Glykoproteine mit einem Molekulargewicht zwischen 19 bis 90 kDa (Kilodalton). Sind nun das Mikrobiom und die Barriere der Darmschleimhaut ebenfalls nicht im besten Zustand, gerät das Protein, in ein Fetttröpfchen eingeschlossen, durch die Darmwand hindurch in die Lymphe – und deren immunkompetente Zellen stürzen sich bekanntermaßen auf alles, was dort nicht hineingehört. Handelt es sich nun um ein kleines Ei- oder Erdnussprotein, werden dagegen auf der Stelle Antikörper gebildet. Isst man einige Tage später erneut ein paar Erdnüsse oder ein Ei, reicht es aus, diese in den Mund zu nehmen – und schon nimmt die Kaskade der allergischen Reaktionen ihren Lauf. Das ist der Grund, warum Lebensmittel, die fett- und proteinreich zugleich sind, besonders häufig eine Nahrungsmittelallergie auslösen, allen voran Milch, Eier und viele Nüsse. Gegen weniger fettreiche Lebensmittel wie Krebstiere, glutenhaltige Getreide oder Sojabohnen kann sich ebenfalls eine Allergie entwickeln, wenn die Darmwand durch Fehlernährung und Störungen ihres Milieus so durchlässig geworden ist, dass Nahrungsüberbleibsel in die tieferen Schichten der Schleimhaut und damit in das Blut gelangen können, wo sie dann wie echte Antigene wirken.

Typische Symptome

Bei Erwachsenen sind Nahrungsmittelallergien meist IgE-vermittelt, also Typ-1-Allergien vom Soforttyp. Das erklärt die Unmittelbarkeit, mit der sich die Allergiesymptome nach dem Verzehr des betreffenden Lebensmittels einstellen. Bei Kindern treten die Symptome oft zeitverzögert auf; sie reagieren häufig nach dem Typ III oder IV, also etwa nach sechs bis acht bzw. zwölf bis achtundvierzig Stunden. Für die Entwicklung klinischer Reaktionen genügen in vielen Fällen Spuren des auslösenden Nahrungsmittels. Die Symptome sind dabei nicht allein auf den Magen-Darm-Trakt beschränkt, wo sie oft Übelkeit, Durchfall, aber auch Verstopfung, Bauchschmerzen und Blähungen auslösen können. Hautsymptome wie Ausschlag (atopisches Ekzem), Nesselfieber und Juckreiz sind ebenfalls häufig. Im Bereich der Atemwege kann es zu Atemnot (allergisches Asthma) und Kehlkopfschwellung kommen, zu Husten oder zu gereizten, juckenden und geschwollenen Schleimhäuten im Bereich von Nase (allergische Rhinitis) und Augen. Ein Lebensmittel, auf das der Betroffene allergisch reagiert, kann auch Allgemeinsymptome wie Kopfweh, Fieber und Verhaltensauffälligkeiten hervorrufen. Neben den „üblichen Verdächtigen“ wie Milch, Eiern und Erdnüssen werden Nahrungsmittelallergien auch von Fisch, Meeresfrüchten, Lupinen, diversen Nüssen (vor allem Haselnüssen), glutenhaltigem Getreide, Schwefeldioxid, Sellerie, Senf, Sesamsamen, Produkten aus Sojabohnen sowie Sulfiten und E-Zusatzstoffen in Nahrungsmitteln ausgelöst.

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