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Naturheilpraxis 12/2022

Nachruf auf Werner Hemm

Gedenken an einen großen Naturheilkundigen

Im August 2022 verstarb unser geschätzter Kollege Werner Hemm in seinem 74. Lebensjahr.

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New Africa/shutterstock.com

Werner Hemm war nicht nur ein erfahrener Kollege und wunderbarer Mensch, er war zudem eine herausragende Persönlichkeit und ein Meister der traditionellen Naturheilkunde. Sein Wunsch war es, zeitlebens die Naturheilkunde in ihrem traditionellen Verständnis an viele Menschen zu vermitteln, damit dieses „alte Wissen“ auch in der Zukunft seinen berechtigten Platz in der Medizin bewahren kann.

St. Ottilien 2021 Regine Böhm-Plättner

Werner Hemm hat sein ganzes Leben der traditionellen Naturheilkunde verschrieben: In den fast fünf Jahrzehnten als versierter und beliebter Therapeut, in der über 40 Jahre andauernden Lehrtätigkeit an der Berufsfachschule für Naturheilweisen „Josef Angerer“, in der ebenso langen Zeitspanne als Fachreferent und Veranstalter naturheilkundlich orientierter Kongresse durften ihn unzählige Patienten, Assistenten, Schüler und Kollegen als einen großen Kenner und Vertreter der traditionellen Naturheilkunde kennenlernen.

Den Keim hierzu, aus welchem sich später sein Berufswunsch entwickelte, Heilpraktiker zu werden, wurde durch seinen pflanzenheilkundigen Großvater und seine naturheilkundlich bewanderte Mutter bereits in frühen Jahren gesetzt. Das führte den 22-Jährigen im April 1970 an die Josef-Angerer-Schule in München. Hier prägten und begleiteten ihn von Anfang an große Persönlichkeiten der Naturheilkunde, wie etwa Doris Baginski, Professor Dr. Manfred Porkert, aber auch die sogenannte „Knochenrosl“ aus Eresing und vor allem sein enger Freund und Mentor Joachim Broy.

Der Leitgedanke und die Überzeugung, dass das Denken im naturheilkundlichen Modell Grundlage jeden therapeutischen Handelns zu sein habe, prägten Werner Hemms Lehr- und Vortragstätigkeit, in welcher er vorwiegend über die Themen der traditionellen Chinesischen Medizin referierte, häufig in Verknüpfung mit der traditionellen westlichen Heilkunde, der Humoralpathologie und der Augendiagnose. Gerade Letztere – ein Spezialgebiet seines Wissens – war für ihn ohne Eingliederung in das Modell der traditionellen Naturheilkunde undenkbar.

Seine Begeisterung für die Weitergabe seines Wissens der traditionellen Medizin hatte Werner Hemm auch zu seinen Herzensprojekten geführt, den Studientagen für Traditionelle Heilkunde St. Gilgen, zusammen mit Joachim Broy in den Neunzigerjahren und später in St. Ottilien mit Tina Haußer, wo er unzähligen Studenten der Naturheilkunde diese in so brillanter und praktischer Art vermittelte. Sein Engagement für die Naturheilkunde brachte Werner Hemm auch zu verschiedensten Tätigkeiten auf dem Feld der Berufsstandsförderung. Ob als Schulleiter der Josef-Angerer-Schule, als Gutachter, als langjähriges Beiratsmitglied im Heilpraktikerverband Bayern e.V., als Chefredakteur der Fachzeitschrift Naturheilpraxis, deren Leitung er in den Jahren von 1980–83 übernahm, oder als Autor zahlreicher Fachartikel und Bücher – stets und überall trat er mit Verve und Überzeugung für die Prinzipien und Belange der traditionellen Naturheilkunde ein.

Nur eine tiefe Verbundenheit zu den Gesetzmäßigkeiten der Natur, des Seins, der Heilkunde und den Mitmenschen gegenüber kann solch ein Lebenswerk hervorbringen. Neben all seinem Wissen, seiner Erfahrung und Weisheit werden viele Menschen auch seinen Humor und nicht zuletzt sein unglaublich großes und liebevolles Herz vermissen.

Weil Werner Hemm nicht nur ein wahrhafter Verständiger der Naturheilkunde, sondern auch ein von ihr beseelter, liebevoller, warmherziger und nahbarer Verkünder war, werden all jene, die ihn kennenlernen und aus seiner Quelle schöpfen durften, seinem Wunsch nach Weiterverbreitung der naturheilkundlichen Lehren gerne entsprechen und sein Wissen und Vermächtnis weitertragen. So können wir alle die Bedeutung unseres Kollegen Werner Hemm für die traditionelle Naturheilkunde würdigen und ihm dabei dankbar gedenken.

Heilpraktiker-Schule „Josef Angerer“ und Heilpraktikerverband Bayern e.V.
Tina Haußer, Wolfgang Hegge, Stefan Mair, Uwe Sieber

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