Gerhard Glas – ein großartiger Mensch und herausragender Kollege hat dieses Jahr die irdische Welt verlassen.

Gerhard Glas war ein erfahrener Kollege, der seine Vision gelebt hat – in großer Verbundenheit zu den Gesetzmäßigkeiten der Natur sowie in großer Verpflichtung zum Berufsstand des Heilpraktikers. Sein gesamtes Leben war mit beispielloser Begeisterung der Natur und ihrer Heilkunde gewidmet.

Waltraud Glas

Er wurde am 15. Mai 1928 in München geboren, verstarb nach einem langen und erfüllten Leben im April 2020. Ein frühkindlicher Impfschaden führte ihn zu seinem späteren Lehrmeister und Heilpraktiker Willy Rüdrich, welcher ihn durch strenge Vorgaben der Ernährungsweise von seinem Leiden heilte. Hierdurch wurde der Grundstein für seinen späteren Werdegang gelegt.

Nach erfolgreichem Abschluss einer Ausbildung bei Siemens folgte er dem Ruf seines Lehrmeisters nach Metzingen, um die Heilkunde zu erlernen und den Kindheitstraum – zu werden wie Herr Rüdrich – zu erfüllen. Sein unnachgiebiger Wissensdrang führte ihn zu weiteren Lehrveranstaltungen der damaligen Deutschen Heilpraktikerschaft. Nach den Ausbildungsjahren bei seinem Lehrherrn kehrte er nach Augsburg zurück und eröffnete am 1. Oktober 1955 in der elterlichen Wohnung seine Praxis in der Augsburger Kleiststraße. Kurze Zeit später erfolgte der Umzug der Praxis innerhalb des Hauses.

In seiner fünfundsechzigjährigen Praxistätigkeit erlangte er große Bekanntheit weit über die Grenzen Augsburgs hinweg und er verhalf einer Vielzahl Patienten wieder auf den Weg zur Gesundheit. Stets den naturheilkundlichen Prinzipien folgend, war er den kranken Menschen immer ein Vorbild, indem er vorlebte, was er auch von ihnen mit Strenge und Konsequenz einforderte.

Ein besonderes Augenmerk seiner Behandlungsweise lag auf einer gesunden Ernährungsweise und Lebensführung. Seine diagnostische und therapeutische Arbeitsweise basierte auf umfangreichem Wissen und Erfahrung in der Anwendung der traditionellen Heilkunde.

Zum Spektrum seiner naturheilkundlichen Tätigkeit gehörten u. a. die Augendiagnose, spagyrische, homöopathische, anthroposophische, biochemische und phytotherapeutische Arzneimittel und die typischen Verfahren der traditionellen Naturheilkunde. Zudem besaß Gerhard Glas fachkundige Kenntnisse im biologischen Land-, Garten- und Wohnungsbau.

Gerhard Glas hat sein umfangreiches praktisches Wissen in zahlreichen Vorträgen und durch Lehrtätigkeit weitergegeben. Seinen ersten Vortrag mit dem Titel „Die Tätigkeit des Heilers in Primärfunktion“ hielt er 1965 auf einer naturheilkundlichen Fachtagung in Nürnberg. Eine Vielzahl seiner Vorträge widmete er den unterschiedlichsten Themenbereichen wie der Bedeutung der Ernährungstherapie bei verschiedenen Erkrankungen, der Kinderheilkunde, dem Verdauungsapparat und dem rheumatischen Formenkreis. Zudem unterrichtete er als Dozent an der Berufsfachschule für Naturheilweisen Josef Angerer in München.

Auch seine berufspolitische Arbeit war von prägender Bedeutung. So leitete er den Arbeitskreis im Bezirk Schwaben, wurde Fachfortbildungsleiter und Vorsitzender im Bezirk Augsburg. Ebenso war er einige Jahre gewähltes Mitglied im Beirat des LV Bayern. Des Weiteren war er von 1969 bis 1973 sowie von 1982 bis 1988 Vorsitzender des Heilpraktikerverbandes Bayern und leistete auch hier Bemerkenswertes.

Er setzte sich für den Ausbau des praktischen Unterrichtes an der Fachschule des LV Bayern ein und schaffte dafür die Voraussetzungen durch die Errichtung einer Kneipp-Anlage. Er begründete die Tagungen für Naturheilkunde, zunächst in Augsburg in den Veranstaltungsräumen des Steigenberger-Hotels „Drei Mohren“. Diese Tagung siedelte später nach München um und ist heute zu einem der bedeutendsten Foren für politische und fachliche Heilpraktikerinteressen geworden.

Seine journalistische Fähigkeit und Kompetenz bewog ihn, zum Engagement als Chefredakteur der Fachzeitschrift Naturheilpraxis und für die Patientenzeitschrift HP Kurier über Jahre hinweg tätig zu sein. 

Zudem war er Gründungsmitglied der Deutschen Volksgesundheitsbewegung und führte über vierzig Jahre deren Vorsitz im Bezirk Augsburg.

Sein steter Einsatz für die Naturheilkunde und den Berufsstand führte dazu, dass ihm 1988 die Ehrenmitgliedschaft des Fachverbandes Deutscher Heilpraktiker und 2003 die Ehrenmitgliedschaft des Heilpraktikerverbandes Bayern verliehen wurde.

Gerhard Glas war nicht nur Vorbild für die Patienten in seiner Praxis, sondern wird auch weiterhin Vorbild sein für viele Kollegen.

Somit hat er zwar die irdische Welt verlassen, aber sein Geist wird uns weiterhin begleiten.

In Zusammenarbeit für den Heilpraktikerverband Bayern e.V.
Wolfgang Hegge, Vorstand, und Werner Hemm, langjähriger Freund und Kollege