Für die Behandlung der Symptome, über die ein Patient klagt, steht oftmals eine Vielzahl an Arzneipflanzen zur Verfügung. Doch manche Heilkräuter sind für den Patienten besser geeignet als andere. Werden Beschwerden aus der Perspektive der Traditionellen Chinesischen Medizin beurteilt, können Rückschlüsse auf das Anforderungsprofil an eine Kräutertherapie gezogen werden. So kann es gelingen, für jeden Patienten individuell eine optimale Kräuterrezeptur mit westlichen Heilpflanzen zu entwickeln.

Eine Kräuterrezeptur, die nach TCM-Kriterien aufgebaut wird, umfasst sogenannte Kaiser-, Minister-, Boten- und Polizeikräuter sowie eine beliebige Anzahl an Assistenten. Kaiser- und Ministerkraut sind die beiden Hauptkräuter in der Rezeptur, die den größten Teil der Beschwerden abdecken. Das Boten- oder Botschafterkraut gibt die Wirkrichtung zum Zielorgan vor, und das Polizeikraut balanciert die Rezeptur aus. In der Praxis bedeutet das, dass eine Rezeptur, die beispielsweise das Yang tonisiert und damit stark wärmt, ein kühlendes bzw. Yin bewahrendes Kraut enthalten sollte und umgekehrt. Die Assistenzkräuter haben unter Umständen kein so breites Wirkungsspektrum, unterstützen aber die Kaiser- und Ministerkräuter in ihrer Wirkung. Ähnlich wie in der Küche viele Köche den Brei verderben, sollte die Anzahl dieser Assistenten überschaubar bleiben, um eine klare Wirkung zu erzielen. Kommen viele Kandidaten in die engere Wahl, können einige Kräuter zu einem späteren Zeitpunkt bisherige Arzneipflanzen ersetzen, um neue Impulse zu setzen.