Eine begleitende Mikroimmuntherapie kann Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie mildern. Auch in der Vor- und Nachsorge von Tumoren ist die Mikroimmuntherapie wichtig. Eine Tumorerkrankung hat in der Regel einen langen Entwicklungsprozess. Diesen möchte die Mikroimmuntherapie in speziellen Laboranalysen erkennen und gezielt therapieren.

Über die Mikroimmuntherapie und ihre Bedeutung bei der Krebsbehandlung und -vorbeugung sprachen wir mit Dr. med. Walter Wührer. Er ist Mitglied der Medizinischen Gesellschaft für Mikroimmuntherapie (MeGeMIT) und behandelt seit Jahren Krebspatienten begleitend.

Herr Dr. Wührer, der Name Mikroimmuntherapie lässt vermuten, dass es sich dabei um eine Therapie des Immunsystems handelt. Aber welche Bedeutung hat das „Mikro“ im Namen?

In der Mikroimmuntherapie wird mit kleinsten Botenstoffen gearbeitet, die im Körper vorkommen. Das sind die sogenannten Zytokine. Dazu zählen unter anderem Interferone, Interleukine und Wachstumsfaktoren. Die abgestimmte Funktion dieser Botenstoffe ist für die Regulation von Entzündungen und für das Immunsystem insgesamt von entscheidender Bedeutung. Das Immunsystem kommuniziert mit diesen Botenstoffen, mit dem Darm, dem Nervensystem, dem Hormonsystem und der Psyche. Die Psychoneuroimmunologie, ein relativ neuer Zweig der Wissenschaft, beschäftigt sich mit diesen Zusammenhängen. Die heutige Medizin ist zu sehr auf Teilsysteme fixiert und berücksichtigt die übergeordneten Regelwerke zu wenig. Man kann heute schon die Sprache des Immunsystems und entsprechende Interaktionen auf biochemischer Ebene messen und im Gesamtzusammenhang interpretieren. Und das ist genau das „Mikro“, also diese kleinste Einheit, die als Information modulierend und regulierend wirkt.