Viele überlieferte Rezepturen sind wahre Kunstwerke und zeugen von großer Sachkenntnis. Es existierten weder feste Regeln noch irgendeine festgelegte Systematik für die Entwicklung derartiger Rezepturen – sehr zum Unwillen vieler Paracelsisten, denen diese Beliebigkeit gegen den Strich ging. Wir stellen hier die Methodik des Bartholomäus Carrichter vor. Der Arzt, Astrologe und Zeitgenosse von Paracelsus wusste aufgrund seiner Mittelposition zwischen Galenisten und Paracelsisten das Beste beider Richtungen zu vereinigen.

Gegensatz- und Ähnlichkeitsprinzip in der Rezeptur

Seit Hippokrates und vielmehr noch seit Galen heißt der Goldstandard der Medizin „Gegensatzprinzip“ (1): Gegen Heißes wende Kaltes an, und gegen Trockenes hilft Feuchtes. Dies entspricht der unmittelbaren Anschauung, es hat sich über die Jahrtausende bewährt und erhalten. Der Nachteil der Anwendung von Arzneien nach dem Gegensatzprinzip: Diese Anwendungsart kostet immer mehr oder weniger Lebenskraft, denn ein Dagegen schwächt, wogegen ein Dafür stärkt.