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Naturheilpraxis 05/2019

Methodische Rezeptur nach Bartholomäus Carrichter

Viele überlieferte Rezepturen sind wahre Kunstwerke und zeugen von großer Sachkenntnis. Es existierten weder feste Regeln noch irgendeine festgelegte Systematik für die Entwicklung derartiger Rezepturen – sehr zum Unwillen vieler Paracelsisten, denen diese Beliebigkeit gegen den Strich ging. Wir stellen hier die Methodik des Bartholomäus Carrichter vor. Der Arzt, Astrologe und Zeitgenosse von Paracelsus wusste aufgrund seiner Mittelposition zwischen Galenisten und Paracelsisten das Beste beider Richtungen zu vereinigen.

Ein Beitrag von Christian Heimüller
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Gegensatz- und Ähnlichkeitsprinzip in der Rezeptur

Seit Hippokrates und vielmehr noch seit Galen heißt der Goldstandard der Medizin „Gegensatzprinzip“ (1): Gegen Heißes wende Kaltes an, und gegen Trockenes hilft Feuchtes. Dies entspricht der unmittelbaren Anschauung, es hat sich über die Jahrtausende bewährt und erhalten. Der Nachteil der Anwendung von Arzneien nach dem Gegensatzprinzip: Diese Anwendungsart kostet immer mehr oder weniger Lebenskraft, denn ein Dagegen schwächt, wogegen ein Dafür stärkt.

Die Anwendung der Arzneien gemäß dem Ähnlichkeitsprinzip finden wir spätestens seit Paracelsus, der dies auch schriftlich gefordert hat: Es soll dabei also nicht Kaltes mit Heißem geheilt werden, sondern Kaltes mit Kaltem und Heißes mit Heißem.

Die Synthese beider Forderungen, nämlich bei einer Krankheit Gegensatz- und Ähnlichkeitsprinzip gleichzeitig anzuwenden, findet sich zum ersten Mal 1589 schriftlich erwähnt bei Claude Dariot (2):

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Naturheilpraxis 05/2019

Erschienen am 02. Mai 2019