Schwerpunkt
Naturheilpraxis 08/2020

Menstruationsstörungen

Naturheilkundliche Behandlungsansätze in der Therapie von Regeltypus- und Regeltempoanomalien, Dysmenorrhö und prämenstruellem Syndrom

Kaum eine Frau zwischen zwölf und zweiundfünfzig hat sie nicht schon einmal erlebt: Menstruationsstörungen. Wobei der Begriff zwar einfach und undramatisch klingt, sich dahinter aber sehr unterschiedliche Symptome und Ursachen verbergen können. Für die Therapie ist es wichtig, genau zu unterscheiden, welche Art von Störung vorliegt. Dabei geht es fast immer um ein Zuviel oder Zuwenig, sei es in der Stärke der Blutung oder in der Häufigkeit bzw. Seltenheit, mit der eine Menstruation stattfindet.

Ein Beitrag von Margret Rupprecht
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Die Gynäkologie unterscheidet bei den Beschwerden und Symptomen rund um die Menstruation Regeltempostörungen von Regeltypusstörungen, Dysmenorrhö und prämenstruelles Syndrom (PMS).

Zu den Regeltempostörungen zählt man Oligomenorrhö und Polymenorrhö. Die Oligomenorrhö bezeichnet eine zu selten stattfindende Regelblutung, bei der die Abstände zwischen zwei Blutungen länger als 35 Tage und kürzer als drei Monate sind. Bei ganz jungen Mädchen ist dies normal, da sich bei ihnen die hypothalamo-hypophysäre Steuerung der Ovarfunktion erst noch einspielen muss. Tritt eine Oligomenorrhö bei einer erwachsenen Frau auf, kann ein polyzystisches Ovar-Syndrom die Ursache sein.
Bei der Polymenorrhö ist der Abstand zwischen zwei Blutungen kürzer als 21 Tage, die Menstruation tritt also zu häufig auf. Das ist oft bei Frauen über 35 Jahren der Fall, wenn die Follikelphase zu kurz ist. Die häufigen Blutungen ziehen nicht selten eine Eisenmangelanämie nach sich.
Als eine Extremform der Regeltempostörung kann die Amenorrhö angesehen werden. Hier ist nach dem 15. Lebensjahr eine Menstruation entweder noch nie eingetreten (primäre Amenorrhö) oder die Blutung bleibt länger als drei Monate aus, obwohl keine Schwangerschaft vorliegt (sekundäre Amenorrhö).

Zu den Regeltypusstörungen zählen Anomalien in der Blutung selbst, die zu stark, zu schwach, verlängert oder verkürzt sein kann. Bei einer Hypomenorrhö beträgt der Blutverlust während einer Menstruation weniger als 25 ml; normal wären 50 bis 150 ml. Eine zu schwache Blutung dauert meist nur wenige Stunden oder lediglich ein bis zwei Tage. Sie kann als Folge einer längerfristigen Gestagenbehandlung auftreten oder ist typisch für den Beginn der Wechseljahre. Eine Hypomenorrhö mit stattgefundenem Eisprung gilt für den Gynäkologen übrigens nicht als behandlungsbedürftig.
Bei der Hypermenorrhö liegt die pro Menstruation abgegebene Blutmenge bei mehr als 150 ml. Ursachen sind oft Endometriose, Hormonstörungen wie ein Gestagendefizit, entzündliche Prozesse wie Adnexitis oder Endometritis, Uteruspolypen oder Intrauterinpessare. Gelegentlich, wenn auch eher selten, können venöse Stauungen im kleinen Becken oder Gerinnungsanomalien für eine Hypermenorrhö verantwortlich sein.
Bei der Menorrhagie, einer Extremform der Hypermenorrhö, ist die Blutung extrem verstärkt und verlängert. Sie kann zwischen ein und zwei Wochen andauern. Ihre Ursachen sind denen der Hypermenorrhö ähnlich.
Sonderfälle von Menstruationsstörungen sind die Metrorrhagie, eine azyklische oder dysfunktionelle Dauerblutung, die häufig Uteruskarzinome, -myome, -polypen, eine Endometritis, einen östrogenbildenden Ovarialtumor oder Intrauterinpessare als Ursache hat. Daneben gibt es noch die sogenannten Zusatz- oder Zwischenblutungen, die außerhalb der üblichen Menstruationszeit von sieben Tagen auftreten. Auch hier sind häufig Entzündungen, Polypen, Myome, aber auch Karzinome oder Verletzungen verantwortlich.