Depressionen, MS oder Polyneuropathien – hinter psychischen und neurologischen Erkrankungen können verschiedene Ursachen stehen. Der Zusammenhang zu Vitaminmangelzuständen wird aber häufig nicht ausreichend beachtet. Es kann vorkommen, dass z. B. bei Depressionen antidepressive Medikamente wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verordnet werden und man den Vitaminmangel als  eigentliche Ursache erst später erkennt. 

Die Entdeckung der megaloblastären Anämie und ihrer Ätiologie war das Ergebnis der Bemühungen verschiedener Forscher. Der englische Arzt Thomas Addison beschrieb 1849 die perniziöse Anämie (bösartige Blutarmut). Im Jahre 1877 stellten Osler und Gardner die Assoziation mit Neuropathie fest, und zehn Jahre später dokumentierte Lichtheim die Myelopathie. Ehrlich erkannte 1880 die Megaloblasten, und 1926 zeigten Minot und Murphy, dass die Krankheit durch die Aufnahme großer Mengen Leber rückgängig gemacht werden konnte. Castle stellte 1929 fest, dass Magensäure einen intrinsischen Faktor enthält, der sich mit einem extrinsischen Faktor verbindet, damit dieser aufgenommen werden kann. 1948 konnte Herbert die Struktur der Folsäure aufklären und deren Zusammenhang mit der Ätiologie der megaloblastären Anämie beschreiben. Die britische Biochemikerin Dorothy C. Hodgkin identifizierte 1955 die Molekülstruktur des Cobalamins, wofür sie 1964 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde (1). Sowohl ein ausgeprägtes Folat-Defizit als auch ein Vitamin-B12-Mangel können neben einer megaloblastären Anämie neuropsychiatrische Störungen (Megaloblastic Madness) hervorrufen, die bei vielen Betroffenen auch bei scheinbar normalem Blutbefund auftreten.