Fachforum
Naturheilpraxis 04/2020

Megaloblastic Madness

Psychische Störungen durch Folat-/Cobalamin-Mangel

Depressionen, MS oder Polyneuropathien – hinter psychischen und neurologischen Erkrankungen können verschiedene Ursachen stehen. Der Zusammenhang zu Vitaminmangelzuständen wird aber häufig nicht ausreichend beachtet. Es kann vorkommen, dass z. B. bei Depressionen antidepressive Medikamente wie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer verordnet werden und man den Vitaminmangel als eigentliche Ursache erst später erkennt.

Ein Beitrag von Philipp Gebhardt
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Die Entdeckung der megaloblastären Anämie und ihrer Ätiologie war das Ergebnis der Bemühungen verschiedener Forscher. Der englische Arzt Thomas Addison beschrieb 1849 die perniziöse Anämie (bösartige Blutarmut). Im Jahre 1877 stellten Osler und Gardner die Assoziation mit Neuropathie fest, und zehn Jahre später dokumentierte Lichtheim die Myelopathie. Ehrlich erkannte 1880 die Megaloblasten, und 1926 zeigten Minot und Murphy, dass die Krankheit durch die Aufnahme großer Mengen Leber rückgängig gemacht werden konnte. Castle stellte 1929 fest, dass Magensäure einen intrinsischen Faktor enthält, der sich mit einem extrinsischen Faktor verbindet, damit dieser aufgenommen werden kann. 1948 konnte Herbert die Struktur der Folsäure aufklären und deren Zusammenhang mit der Ätiologie der megaloblastären Anämie beschreiben. Die britische Biochemikerin Dorothy C. Hodgkin identifizierte 1955 die Molekülstruktur des Cobalamins, wofür sie 1964 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde (1). Sowohl ein ausgeprägtes Folat-Defizit als auch ein Vitamin-B12-Mangel können neben einer megaloblastären Anämie neuropsychiatrische Störungen (Megaloblastic Madness) hervorrufen, die bei vielen Betroffenen auch bei scheinbar normalem Blutbefund auftreten.

Folsäure

Folat ist die Bezeichnung für verschiedene Formen natürlicher Verbindungen des wasserlöslichen Vitamins B9, dessen stabilere, synthetische Form Folsäure genannt wird. In Deutschland ist eine Unterversorgung mit Folat besonders verbreitet. Laut Daten der Nationalen Verzehrsstudie II unterschreiten bis zu 90 % der Bevölkerung die jeweils empfohlene Zufuhrmenge (Abb. 1).

Abb. 1: Prozent in verschiedenen Altersgruppen, die die damals empfohlene tägliche Zufuhr von Folat nicht erreichten (Daten aus der Nationalen Verzehrsstudie II, Max-Rubner-Institut 2008) Philipp Gebhardt

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Naturheilpraxis 04/2020

Erschienen am 01. April 2020