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Naturheilpraxis 10/2019

Medikamente im Alter

Je älter der Patient wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass er nicht nur unter einer Erkrankung leidet, sondern unter mehreren und deshalb eine höhere Anzahl Medikamente benötigt. Doch die Polypharmazie in der alternden Gesellschaft ist mit Risiken verbunden. Darüber hinaus erhält etwa jeder vierte Senior Arzneistoffe, die für ihn ungeeignet sind. Ein Thema, das auch in der Naturheilpraxis nicht ignoriert werden sollte.

Ein Beitrag von Sabine Ritter
Lesezeit: ca. 8 Minuten

2016 wurden 55 % aller hierzulande verordneten Arzneistoffe für Menschen ab einem Alter von 65 Jahren verschrieben, deren Anteil an der Bevölkerung jedoch nur bei 22 % lag. Schon diese beiden Zahlen zeigen, dass Medikamente im Alter ein relevantes Thema sind (1). Jeder fünfte Deutsche nimmt regelmäßig fünf oder mehr Arzneistoffe gleichzeitig ein. Betroffen waren 2015 mehr als die Hälfte der mindestens 65-jährigen Versicherten der Hanseatischen Krankenkasse (HKK). Unter den 46- bis 64-Jährigen betrug der Anteil immerhin 28,5 %. Dabei korrelierte die Zahl der verordneten Arzneistoffe mit der Zahl der gesicherten Diagnosen bei verschiedenen Arztbesuchen. 73,3 % der Versicherten, die fünf und mehr unterschiedliche Medikamente einnahmen, hatten nicht weniger als 20 gesicherte Diagnosen im Jahr erhalten. Als multimorbid wurden Patienten mit mindestens 21 Diagnosen eingestuft. Die Betroffenen ab einem Alter von 65 Jahren stellten unter den Versicherten der HKK zum Zeitpunkt der Auswertung einen Anteil von 43 % dar (2). Nicht berücksichtigt sind in dieser und vergleichbaren Statistiken anderer Krankenkassen die frei verkäuflichen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die sich die Betroffenen selbst kaufen, möglicherweise ohne ihren Arzt darüber zu informieren.

Polypharmazie und Wechselwirkungen: Vorhersagen vielfach nicht möglich

Problematisch an der Anwendung mehrerer Medikamente sind ihre Wechselwirkungen. Sie können zum Beispiel dadurch zustande kommen, dass sich Arzneistoffe im Magen-Darm-Trakt miteinander binden und so für die Aufnahme in den Körper nicht zur Verfügung stehen (pharmazeutische Interaktionen). Das ist etwa der Fall, wenn ein Patient das Antibiotikum Doxycyclin zusammen mit Kalzium einnimmt. Solche Wechselwirkungen werden auch häufig durch Arzneipflanzen verursacht, wenn ein Patient seine Obstipation z. B. mit Leinsamen behandelt, dessen Schleimstoffe die Resorption vieler Arzneistoffe im Darm beeinträchtigen können. In solchen Fällen reicht meist ein zeitlicher Abstand zwischen der Einnahme der verschiedenen Wirkstoffe (3).

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Naturheilpraxis 10/2019

Erschienen am 01. Oktober 2019