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Naturheilpraxis 12/2020

Männerzeiten

Unterstützung für die Andropause

Wenn Männer in die Wechseljahre kommen, legen sie nicht nur oft ein auffälliges, aufbäumendes, postpubertäres Verhalten an den Tag – sie haben auch körperlich mit einigen Veränderungen zu kämpfen.

Ein Beitrag von Peter Germann
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Männer nehmen in den Arm, Männer geben Geborgenheit,
Männer weinen heimlich, Männer brauchen viel Zärtlichkeit,
Männer sind so verletzlich, Männer sind auf dieser Welt
einfach unersetzlich. (Herbert Grönemeyer, „Männer“)

Männer sind sehr sensible Wesen. Ich darf das sagen – ich bin selbst einer. Die zwei größten biologischen Prägungsphasen, die wir Menschen im Leben haben, sind die Pubertät und die Andropause beziehungsweise die Wechseljahre. In der TCM geht man davon aus, dass bei Frauen alles in einem Siebenjahresrhythmus abläuft, bei Männern alles in einem Achterrhythmus. Sieben mal sieben ergibt das kalendarische Alter des weiblichen Klimakteriums, acht mal acht das der männlichen Andropause. Zwischen diesen beiden ontogenetischen Lebensphasen liegen also rein rechnerisch fünfzehn Jahre. In dieser Zeit, in der die Frau schon in einer ganz anderen Lebensphase mit ganz anderen Vorstellungen ist, hinkt der Mann sozusagen hinterher. Daher kann es in dieser Zeit selbst bei alt eingesessen Partnern noch einmal richtig Stress geben.
Glaubt man aber, dass es spätestens mit der Angleichung des Mannes um Anfang sechzig wieder „normal“ wird, hat man weit gefehlt. Viele Männer bäumen sich dann nochmals auf.

Der postpubertierende Mann

Gerade die Männer, die bisher gewohnt waren, in Leben und Beruf das Sagen zu haben, werden besonders auffällig. Mit Anfang sechzig wird ein Motorrad gekauft, das schon lange geplante Drachen-Tattoo auf dem Oberarm in die Realität umgesetzt und das Interesse an weitaus jüngeren Frauen ist größer als bisher. Diese postpubertäre Phase kann skurrile Formen annehmen. Biologisch gesehen ist es vor allem der bisherige Platzhirsch, der noch einmal seine „fantastische Genetik an alle Kühe verteilen will.“ Evolutionswissenschaftler gehen davon aus, dass sich unser Gehirn an die kurze Zeit von Ackerbau, Farbfernseher und Computer nur bedingt angepasst hat. Frauen, die sich in der Praxis über ihre Männer in dieser Lebensphase beschweren, gebe ich den Tipp: „Wenn es nicht allzu schlimm ist, versuchen Sie darüber hinwegzusehen. Der will nur spielen!“ Da ich mit sechsundsechzig in den Ausläufern dieser Lebensphase bin, kann ich diesen Aufbäumungstrieb gut nachvollziehen. Meine Frau sagte einmal zu mir: „Der Mann in den Wechseljahren – hin- und hergerissen zwischen Harley und Rollator!“

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Naturheilpraxis 12/2020

Erschienen am 01. Dezember 2020