Schwerpunkt
Naturheilpraxis 11/2020

Lymph- und Venenerkrankungen

Behandlungsgrundsätze nach Kneipp

Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897) ist allgemein als der "Wasserdoktor" bekannt. Er revolutionierte die von Siegmund Hahn (1664–1742) und dessen Sohn begründete Hydrotherapie in Deutschland, indem er nicht nur kalte Wasseranwendungen verordnete, sondern auch warme. Jedoch ist mit Kneipp viel mehr als nur "Wassertherapie" verbunden. Er baute seine Behandlung auf fünf ineinandergreifende Säulen auf, welche je nach Erkrankung in verschiedener Gewichtung zum Einsatz kommen: Ernährung, Bewegung, Wasser, Pflanzen und Ordnung.

Ein Beitrag von Kim Salzgeber
Lesezeit: ca. 9 Minuten
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Das Lymphsystem

Das Lymphsystem (lat. lympha = klares Wasser, Quellwasser) dient als Drainagesystem zur Entlastung der Venen und ist gleichzeitig auch, als Transport- und Reinigungssystem, Teil des Immunsystems. Das Lymphgefäßsystem gliedert sich in ein oberflächliches und ein tiefes System. Das oberflächliche System ist innerhalb des subkutanen Gewebes lokalisiert – also oberflächlich zur Faszie. Es drainiert die Lymphe der Haut und des subkutanen Gewebes und verläuft großteils parallel zu den subkutanen Venen. Das tiefe Lymphsystem hingegen befindet sich tief unter der Faszie, drainiert die Lymphe der subfaszialen Gewebe, wie Muskeln, Knochen und Gelenke, und begleitet die tiefen Arterien und Venen (1).

Der Beginn des Lymphsystems ist zunächst blind im Interstitium. Hier nimmt es über sogenannte „schwingende Zipfel“, welche sich durch die Bewegung der Subkutis öffnen und schließen, großmolekulare Abfallprodukte des Zellstoffwechsels als lymphpflichtige Last auf, z. B. Eiweiße, Fette, Zellen, Zelltrümmer, Fremdstoffe, Viren, Bakterien und Blutserum (2). Die Menge der lymphpflichtigen Last ist dabei abhängig vom effektiven Filtrationsdruck im Kapillarsystem. Dieser setzt sich zusammen aus der Differenz des hydrostatischen Drucks (dem Schweredruck der Flüssigkeit) und des kolloidosmotischen Drucks (also dem Druck, der durch die Bindekraft von Eiweiß zu Wasser entsteht). Die Lymphe ist zunächst durchsichtig bis leicht gelblich, nur direkt aus dem Darmbereich kommend färbt sie sich nach dem Essen milchig trüb. Sie gelangt über die distalen Lymphkapillaren, Präkollektoren, Kollektoren und Lymphstämmen zu den Lymphgängen des Körperstamms – zu denen auch der Milchbrustgang (Ductus thoracicus) zählt – bis hin zum linken und rechten Venenwinkel und so schlussendlich zum Herz. Der Lymphtransport wird einerseits durch die Muskelschicht in der Tunica externa und media der Lymphgefäße ermöglicht, andererseits auch durch die Nähe zu den Arterien und Venen und der entsprechenden Pulsation.

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