Schwerpunkt
Naturheilpraxis 03/2021

Lebensfeuer statt Ausgebrannt-Sein

"Ich hab‘ Burn-out", klagen zunehmend mehr Menschen im Sprechzimmer. Was genau steckt hinter dieser (Eigen-)Diagnose, die laut WHO einen jährlichen volkswirtschaftlichen Schaden von 120 Milliarden Dollar allein in Europa und Nordamerika verursacht (1)? Und vor allem: Wie ist sie effektiv und erfolgreich therapierbar?

Ein Beitrag von Dr. med. Susanne Bihlmaier
Lesezeit: ca. 9 Minuten

Erste Beschreibungen eines pathologischen Ausgebrannt-Seins beobachtete der ehrenamtliche Klinikhelfer Freudenberger in den 70ern unter Pflegeberufen (2). Zur Modediagnose bei Börsen-gehetzten Managern wurde das Burn-out-Syndrom Anfang des 21. Jahrhundert.

In der deutschen Adaptation der Internationalen Klassifikation ICD-10 wird Burn-out als „Ausgebrannt-Sein“ der Kategorie Z73 zugeordnet: „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Die ab 2022 geltende ICD-11 wird spezifischer: „Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann.“

Vergleicht man diese Definitionsentwicklung mit den Patienten des eigenen Sprechzimmers, wird schnell klar: Das Verständnis eines Burn-outs ist im Praxisalltag weitaus komplexer. Es klagt die Jurastudentin genauso wie die Mutter kleiner Kinder, der Stationsarzt genauso wie Eltern mit wochenlangem Homeschooling während der Corona-Pandemie. Was haben sie alle gemeinsam?

Diagnose und Definition

Die wichtigsten validierten Testverfahren wie das Maslach-, das Copenhagen- und das Oldenburg-Burn-out-Inventory nähern sich dem Burn-out mittels dreier Kategorien (3):