„Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt; glücklich allein ist die Seele, die liebt“, dichtete Goethe für Klärchen, die weibliche Hauptrolle in seiner Tragödie „Egmont“, die sich mit dem Freiheitskampf der Niederländer im 16. Jh. beschäftigt.

Hört er von diesen extremen Gemütsschwankungen, fällt dem klassischen Homöopathen sofort Ignatia, Strychnos ignatii, eine enge Verwandte der Brechnuss, Nux vomica, ein. Doch hier soll es um eine Pflanze aus dem weiten Feld der Phytotherapie gehen, Lavandula officinalis et al. Zu Deutsch: Lavendel und seine Unterarten.

Nomenklatur

Der Name leitet sich aus dem lateinischen lavare für waschen, reinigen ab, was sich nicht zuletzt darin niederschlägt, dass sich Lavendelaromen auch heute noch in gängigen Waschmitteln finden. Es ist bekannt, dass Caesar gerne Lavendel fürs abendliche Entspannungsbad verwendete, doch lag der Schwerpunkt der Lavendelanwendung in der Antike weniger im profanen als im Sakralbereich. So reinigte man die Altäre für die Götter mit Lavendelwasser, ehe man Räucheropfer darbrachte, oder entfernte nach Blutopfern die übel riechenden Rückstände mit der versöhnlich duftenden Waschlösung. Ansonsten räucherte man damit mit wechselndem Erfolg gegen die Pest und die Malaria an.
Mit einem alten Synonym für Lavendel, Speik, das sich aus dem lateinischen spica (Ähre) herleitet, wird heute eine spezielle Lavendelart, der Speiklavendel, Lavandin (Lavandula latifolia) bezeichnet. Ältere Reinigungsmittel, wie etwa die „Speikseife“, beinhalteten also Lavendelaromen.