Schwerpunkt
Naturheilpraxis 06/2021

Kopfschmerzen und ihre Therapie in der chinesischen Medizin

Jedes Jahr leiden hierzulande fast zwei Drittel der Bevölkerung mindestens einmal unter Kopfschmerzen. Ungefähr vier Prozent der Bevölkerung haben sogar täglich Kopfschmerzen. Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin ergibt sich eine effektive Behandlung aus dem Charakter der Schmerzen, den Begleitbeschwerden, der Puls und der Zungendiagnose.

Ein Beitrag von Sabine Ritter
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Für die Betroffenen stellt nicht nur die Minderung ihrer Lebensqualität durch die Kopfschmerzen eine mitunter große Belastung dar. Vielfach zweifelt man im Umfeld an dieser unsichtbaren Erkrankung, sodass sie sich anhören müssen, sie sollen sich mal nicht so anstellen. Manch einer kämpft mit dem Vorurteil, dass er sich nur vor der Arbeit drücken wolle (1).

Die vier häufigsten Kopfschmerz-Arten und ihre Manifestationen

Als Kopfschmerz (Cephalgie, Kephalgie) bezeichnet man Schmerzerkrankungen im Bereich des Kopfes, die durch eine Reizung schmerzempfindlicher Strukturen des Schädels, der Hirnhäute, der zerebralen Blutgefäße, der Hirnnerven oder der obersten Spinalnerven ausgelöst werden. Spannungskopfschmerzen und Migräne betreffen ca. 25 bzw. 18 Millionen Menschen in Deutschland – sie sind damit die beiden häufigsten Ursachen. Verbreitet sind darüber hinaus der Cluster-Kopfschmerz und der medikamenten-induzierte Kopfschmerz. Insgesamt werden mittlerweile 250 verschiedene Kopfschmerz-Arten beschrieben. Frauen und jüngere Menschen sind häufiger betroffen als Männer und Ältere (1, 2).

Bei den Spannungskopfschmerzen handelt es sich um leichte bis mittelschwere, dumpfe bis drückende Kopfschmerzen, die eher im gesamten Kopf als halbseitig über einen Zeitraum von Minuten bis Tagen auftreten. Im Unterschied zur Migräne verschlechtert Bewegung die Beschwerden nicht. Außerdem treten begleitend zu diesen Kopfschmerzen weder Erbrechen und Übelkeit noch Lichtempfindlichkeit auf. Die Migräne tritt dagegen attackenweise und oftmals einseitig im Bereich der Schläfen, der Stirn und des Auges auf. Die Schmerzen sind heftig, pulsierend bis pochend. Bis zu einem Fünftel der Betroffenen spüren als Vorboten einer Migräneattacke eine Aura in Form von Wahrnehmungsstörungen. Die Attacken können bis zu 72 Stunden andauern. Auch der äußerst heftige Cluster-Kopfschmerz tritt einseitig und episodisch auf, dauert in der Regel jedoch nur 15 Minuten bis drei Stunden an. Die Schmerzen sind in der Augenhöhle bzw. dahinter lokalisiert und können sich auf die Schläfe ausbreiten. Greifen Patienten aufgrund von Spannungskopfschmerzen, Migräne und/oder Cluster-Kopfschmerzen zu häufig zu Analgetika, kann sich ein medikamenten-induzierter Kopfschmerz entwickeln. Die diffusen, dumpfen oder drückenden Schmerzen treten dann im ganzen Kopf auf (1).