Die durch die Coronapandemie in vielen Bereichen eingeführte Maskenpflicht führte auch zu kontroversen Diskussionen in der Gesellschaft. Viele Menschen befürchten negative Auswirkungen, wenn die Masken über einen längeren Zeitraum oder während Belastungssituationen getragen werden sollen. Zumindest die gefühlte Einschränkung ist oft sehr hoch. Verschiedene Forscherteams beschäftigten sich daher mit der Frage, ob sich die wahrgenommenen negativen Effekte objektiv messen lassen.

Bereits letztes Jahr publizierten Wissenschaftler aus den USA einen Kommentar zu dieser Frage (1). Sie beleuchteten die physiologischen Auswirkungen beim Tragen von Masken im allgemeinen und auch während des Trainings. Außerdem berücksichtigten die Forscher in der Literaturauswertung spezielle Bedürfnisse von Menschen mit chronischen Erkrankungen in diesem Kontext. 

Auf Basis der einbezogenen Studien gibt es keine Hinweise darauf, dass Masken die Atmung physiologisch messbar beeinträchtigen. Die zugrundeliegenden Arbeiten nutzen während der Untersuchungen meist N95-Masken und fanden, wenn überhaupt, nur marginale Veränderungen der Atemparameter. Die weniger restriktiven medizinischen Masken oder Stoffvarianten dürften daher nach Ansicht der Forscher objektiv betrachtet noch weniger atemeinschränkend sein.

Im Hinblick auf die Sauerstoffversorgung konnten die Forscher in den ausgewerteten Studien ebenfalls keine klinisch relevanten Einschränkungen durch die Masken finden. Eine Beobachtungsstudie mit 52 Chirurgen, die über einen Zeitraum von einer bis vier Stunden am Stück OP-Masken trugen, dokumentierte einen Abfall der Sauerstoffsättigung von durchschnittlich zwei Prozent – vor der Operation lag der Wert bei 98 Prozent, danach bei 96 Prozent. Die Herzfrequenz in diesem Zeitintervall verändert sich von anfangs 85 auf 90. Diese Veränderungen waren statistisch signifikant, aber klinisch nicht relevant, da die Normwertbereiche zu keinem Zeitpunkt unter- oder überschritten wurden.

Auffälliger sind die Ergebnisse in Bezug auf Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit und Anstrengungsempfinden. In einer Befragung von 158 Mitarbeitern im Gesundheitswesen, berichteten zum Beispiel 81 Prozent der Teilnehmer von Kopfschmerzen im Zusammenhang mit dem Einsatz von N95-Masken in Kombination mit Augenschutz über einen Zeitraum von circa sechs Stunden. Ob die Kopfschmerzen alleine dem Tragen der Maske zuzuschreiben sind, bezweifeln die Forscher. Sie weisen in dem Zusammenhang auf zusätzliche Faktoren hin, die Kopfschmerzen begünstigen können, wie ungünstiges Ess- und Trinkverhalten sowie körperlicher und emotionaler Stress bei der Arbeit im Krankenhaus, vor allem in Pandemiezeiten. 

Zu ähnlichen Interpretationen kommt auch ein weiteres internationales Forschungsteam, das seine Ergebnisse Anfang dieses Jahres publiziert hat (2). Die physiologisch objektivierbaren Auswirkungen sind nach Ansicht der Autoren zu vernachlässigen. Die wahrgenommene Beeinträchtigung durch die Masken sei nach Einschätzung der Experten sehr viel größer als die messbaren Effekte.

Sind Masken bei Belastung „gefährlich”?

Interessant sind auch die bisherigen Studien zu den Effekten von N95-Masken während körperlicher Belastung (1). Bei geringer bis moderater Intensität – zum Beispiel beim Gehen auf einem Laufband – scheint es keine messbaren Auswirkungen zu geben. Ein Training mit höheren Belastungsparametern ist noch nicht ausreichend untersucht worden. Es gibt aber Hinweise darauf, dass das Tragen einer Maske während eines Belastungstests mit sehr hoher Intensität zu Veränderungen in Bezug auf Lungenfunktion und Ventilation führt. Die kardiopulmonale Belastungsfähigkeit wird ebenso negativ beeinflusst und die Probanden empfanden das Tragen einer Maske während Belastung subjektiv als unangenehm. Die Forscher heben in ihrem Kommentar hervor, dass in diesen Untersuchungen sehr hohe Belastungsintensitäten eingesetzt wurden.

Die Forscher gehen auf Basis der ausgewerteten Studien davon aus, dass bei einem moderaten Training mit Maske vor allem Feuchtigkeit, Temperatursteigerung unter der Maske und der entstehende Atemwiederstand die limitierenden Faktoren sind.

Ebenfalls dieses Jahr erst publiziert wurde eine Studie (3) an 16 gesunden Männern, die bei einer moderaten bis anstrengenden Trainingseinheit auf dem Fahrradergometer eine Maske trugen. Es kam in dieser Studie lediglich zu einem geringen Anstieg der Kohlendioxidkonzentration am Ende der Ausatmung, wenn die Probanden eine N95-Maske trugen. Diesen Effekt bewerteten die Forscher für gesunde Personen als unbedenklich, bei Patienten mit Lungenerkrankungen raten sie aber zur Vorsicht beim Training mit einer Maske.

Einsatz bei chronischen Erkrankungen

Im Hinblick auf mögliche negative Auswirkungen von Masken bei chronischen Erkrankungen verweisen die Forscher (1) unter anderem auf eine Studie mit Patienten, die an pulmonalen Beschwerden litten, darunter Asthmatiker. Es kam durch die Maske zu einer verlängerten Inspiration und einer erschwerten Exspiration. Dies ist für Asthmatiker gegebenenfalls ein Problem, gerade bei schwer betroffenen Patienten. Die Gesellschaft für Asthma und Allergie in Amerika erklärt, dass die Masken für Patienten mit leichtem beziehungsweise gut kontrolliertem Asthma objektiv betrachtet kein Problem darstellen sollten. Ein Risiko bestehe nach Ansicht der Experten nur bei Asthmatikern mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen. Die Forscher schlussfolgern, dass die Vorteile der Masken die negativ empfundenen Effekte überwiegen.

Keine objektive Gefahr

Das Tragen einer Maske im Alltag, während Übungen, beim Sport oder im Rahmen der Rehabilitation stellt prinzipiell keine objektiv messbare Gefahr für die Gesundheit dar (1–3). Erst bei sehr hohen Belastungsintensitäten sind messbare Effekte zu erwarten. Allerdings sind die subjektiv empfundenen Einschränkungen und die Belastung auf psychologischer Ebene nicht zu vernachlässigen und können durchaus die Leistungsfähigkeit in verschiedenen Lebensbereichen beeinflussen.

Literatur

  1. Scheid JL, Lupien SP, Ford GS, West SL. 2020. Commentary: physiological and psychological impact of face mask usage during the COVID-19 pandemic. Int J. Environ. Res Public Health 17, 18: 6655
  2. Haraf RH, Faghy MA, Carlin B, Josephson RA. 2021. The physiological impact of masking is insignificant and should not preclude routine use during daily activities, exercise, and rehabilitation. J. Cardiopulm. Rehabil. Prev. 41, 1:1–5
  3. Epstein D, Korytny A, Isenberg Y, Marcusohn E, Zukermann R, et al. 2021. Return to training in the COVID-19 era: The physiological effects of face masks during exercise. Scand. J. Med. Sci. Sports 31, 1:70–75