Insbesondere die Schmerzbehandlung bei älteren Menschen stellt viele Therapeuten vor eine große Aufgabe. Häufig liegen die Beschwerden seit vielen Jahren vor, und das Gewebe hat nicht mehr dieselben Regenerationsfähigkeiten wie bei Jüngeren. Durch den empathischen Ansatz der Ortho-Bionomy lassen sich aber Ressourcen aufspüren, die sehr gut in ein salutogenetisches Behandlungskonzept für geriatrische Patienten integriert werden können.

Bei der Behandlung eines jeden Menschen ist es sehr wichtig, seine individuellen Krankheitshintergründe wahrzunehmen und nicht nur die Symptomatik im Blick zu haben. Wenn uns ein Patient in fortgeschrittenem Alter mit einer Schmerzproblematik oder einer Bewegungseinschränkung aufsucht, bringt er auch  seine Ängste um den Verlust seiner Selbstständigkeit bzw. Selbstversorgungsmöglichkeit mit. Der Erfolg einer Behandlung hängt auch davon ab, ob es uns gelingt, dem Patienten zu vermitteln, dass wir ihn in seiner Einzigartigkeit wahrnehmen.  Das Auffinden seiner ungenutzen Ressourcen stärkt die Zuversicht in seine Selbstheilung. Ich erkläre meinen Patienten zu Beginn, dass ich deshalb nach den Grundprinzipien der Ortho-Bionomy behandle. Das bedeutet, dass nicht der Wunsch der Patienten, ich möge ihre gesundheitlichen Einschränkungen beseitigen, zu mehr Wohlbefinden führt, sondern dass eine Veränderung nur durch die Selbstwahrnehmung und Annahme ihrer aktuellen Situation geschieht.