Einige Homöopathen behaupten, dass die Diagnose keine Rolle spiele für die Therapie mit Homöopathie. Es sei die Individualität des Patienten und nicht die Erkrankung, die maßgeblich für die homöopathische Arzneiwahl sei. Diese Behauptung wird im Beitrag kritisch beleuchtet und auf ihre Bedeutung für die Praxis untersucht.

Es ist unumstritten, dass es für die Arbeit in der Praxis notwendig ist, eine Diagnose zu stellen oder die Diagnose zu sichern, mit der ein Patient zu uns kommt. Nicht nur, weil eine Rechnungsstellung über unsere Leistungen gegenüber den Leistungsträgern Voraussetzung für eine Kostenübernahme ist, auch um unser therapeutisches Handeln zu legitimieren, ist die Diagnose unerlässlich. Das wird kaum eine Kollegin oder ein Kollege bestreiten, denn die Diagnose ist maßgeblich für die Umsetzung unserer Sorgfaltspflicht, wenn es darum geht, zu entscheiden, ob eine weitere Abklärung der Erkrankung des Patienten notwendig ist oder ob einer anderen Therapie der Vorzug zu geben ist. Auch unsere Aufklärungspflichten (s. Patientenrechtegesetz) können wir nur dann ausreichend erfüllen, wenn wir diese auf eine Diagnose oder mehrere Diagnosen beziehen können.
Inwieweit Diagnosen eines Patienten relevant sind für die Wahl eines homöopathischen Arzneimittels, wird dagegen kontrovers diskutiert. Die Position, Diagnosen spielten für die homöopathische Therapie keine Rolle, wird gerne mit der Kritik begründet, die Hahnemann an der Medizin seiner Zeit übte. Ist dies haltbar?