Die klassische Homöopathie betrachtet Krankheitsursachen, wie sie die Schulmedizin kennt, als belanglos, da sie zu häufig vorkommen und nicht charakteristisch für den Patienten sind. Sie berücksichtigt jedoch Auslöser von Beschwerden, sogenannte „causae occasionales“. Diese kann die ursachenorientierte Homöopathie ebenfalls einbeziehen, auch wenn sie an den Ursachen ansetzt, die der Schulmedizin bekannt sind. Aber ist das dann überhaupt noch homöopathisch?

Klassische Homöopathie

Die klassische Homöopathie, wie sie von Samuel Hahnemann begründet wurde, sucht das passende Mittel vor allem nach den relevanten Krankheitssymptomen und deren Modalitäten aus (z. B. wann besser, wann schlechter?). Als relevant werden insbesondere solche Krankheitszeichen angesehen, die für den Patienten charakteristisch sind; das wiederum bedeutet, sie sind auffällig, ungewöhnlich, sonderlich. Diese Bevorzugung geht auf den § 153 des „Organon der Heilkunst“ von S. Hahnemann zurück1. Lehrbuchmäßige Symptome der Schulmedizin (pathognomonische Symptome) werden im Allgemeinen nicht beachtet, da sie zwar krankheitstypisch sind, aber nicht individuell. Ausnahmen lässt man z. B. zu, wenn die Lehrbuchsymptome ungewöhnlich ausgeprägt sind oder der Patient nicht genügend Zeit hatte, persönliche Krankheitszeichen zu entwickeln2. Bei richtiger Auswahl der Symptome/Modalitäten und deren Gewichtung (Hierarchisierung) kommt man so unter Benutzung von Buch- oder Computer-Repertorien und der Arzneimittelbilder aus der Materia medica zum passenden Mittel. Dieses verspricht – so die weitere Argumentation –, die allgemeine Lebenskraft zu stärken und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren, die dieser Lebenskraft innewohnen, was schließlich zur Besserung oder Heilung führt. Hierbei spielt es keine Rolle, ob die Symptome auf eine oder mehrere Krankheiten im schulmedizinischen Sinn zurückgehen. Die klassische Homöopathie betrachtet den ganzen Menschen. Sie will nicht nur Krankheiten, sondern den Patienten behandeln und heilen3.