Fachforum
Naturheilpraxis 06/2019

Kinderosteopathie aus Sicht der Kinderärzte

Mehr Miteinander statt Nebeneinander!

Die Frage: "Kinderosteopathie, sinnvoll oder nicht?" wird auch für niedergelassene Kinderärzte immer häufiger zum Thema. Eltern sind darauf angewiesen, eine Bescheinigung für die Kinderosteopathie zu bekommen, damit die Therapiekosten von den Krankenkassen bezuschusst werden, aber nicht alle Kinderärzte stellen diese Bescheinigungen aus. Die Gründe hierfür wurden nun in einer qualitativen Interviewstudie erfragt, welche interessante Erkenntnisse für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Kinderosteopathen und Kinderärzten liefert.

Ein Beitrag von Sebastian Belz
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Die ausgewählten zwölf Wiesbadener Kinderärzte berichteten überwiegend davon, dass ihre Erfahrungen mit osteopathischen Behandlungen an ihren kleinen Patienten positiv waren. Wie lässt sich dann erklären, dass einige Kinderärzte keine Bescheinigungen für eine kinderosteopathische Behandlung ausstellen? Die Gründe sind, wie so oft, vielschichtig.

Während einer der Kinderärzte die Häufung der Nachfragen nach einer Bescheinigung damit begründete, dass die Kinderosteopathie derzeit sehr in Mode sei, im Umkehrschluss also etwas Vergängliches habe, erklärten andere ihre Zurückhaltung damit, dass die Qualifikation eines Kinderosteopathen für Außenstehende nur schwer zu beurteilen sei. Denn die Ausbildung eines solchen Therapeuten ist in Deutschland nicht klar geregelt und reicht von einer fundierten und mehrjährigen Qualifikation bis hin zu Wochenendseminaren, an deren Ende die Absolventen Patienten behandeln dürfen. Kinderosteopathen haben also nicht zwingend fundierte medizinische Kenntnisse, was es den Schulmedizinern schwer macht, Vertrauen in diese Therapieform zu fassen; auch wenn alle befragten Kinderärzte in ihrer Praxis Kinder betreuen, die bereits in kinderosteopathischer Behandlung waren.

Einer der Befragten machte dies am Beispiel der traumatischen Geburt fest. Während die anerkannte Osteopathin Dr. Viola Frymann feststellte, dass bei Kindern mit Lernstörungen und Verhaltensauffälligkeiten zu 79 % eine schwere Geburt in den Akten zu finden ist, gibt der Kinderarzt zu bedenken, dass keine Geburt ganz sanft verlaufe und der Prozess für das Neugeborene immer traumatisch sei. Ist die Kohärenz von Frau Dr. Frymann also zu vernachlässigen? Die Interviews machten jedenfalls deutlich, dass alle befragten Kinderärzte weitgehend positive Erfahrungen mit der Kinderosteopathie sammeln konnten. Das Vertrauen ist dennoch nicht in dem Maße vorhanden, wie es für eine gute Zusammenarbeit nötig wäre. Was also muss ein guter Therapeut mitbringen, um für die Kinderärzte vertrauenswürdig zu sein?

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Naturheilpraxis 06/2019

Erschienen am 03. Juni 2019