Die Frage: „Kinderosteopathie, sinnvoll oder nicht?“ wird auch für niedergelassene Kinderärzte immer häufiger zum Thema. Eltern sind darauf angewiesen, eine Bescheinigung für die Kinderosteopathie zu bekommen, damit die Therapiekosten von den Krankenkassen bezuschusst werden, aber nicht alle Kinderärzte stellen diese Bescheinigungen aus. Die Gründe hierfür wurden nun in einer qualitativen Interviewstudie erfragt, welche interessante Erkenntnisse für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von Kinderosteopathen und Kinderärzten liefert.

Die ausgewählten zwölf Wiesbadener Kinderärzte berichteten überwiegend davon, dass ihre Erfahrungen mit osteopathischen Behandlungen an ihren kleinen Patienten positiv waren. Wie lässt sich dann erklären, dass einige Kinderärzte keine Bescheinigungen für eine kinderosteopathische Behandlung ausstellen? Die Gründe sind, wie so oft, vielschichtig.

Während einer der Kinderärzte die Häufung der Nachfragen nach einer Bescheinigung damit begründete, dass die Kinderosteopathie derzeit sehr in Mode sei, im Umkehrschluss also etwas Vergängliches habe, erklärten andere ihre Zurückhaltung damit, dass die Qualifikation eines Kinderosteopathen für Außenstehende nur schwer zu beurteilen sei. Denn die Ausbildung eines solchen Therapeuten ist in Deutschland nicht klar geregelt und reicht von einer fundierten und mehrjährigen Qualifikation bis hin zu Wochenendseminaren, an deren Ende die Absolventen Patienten behandeln dürfen. Kinderosteopathen haben also nicht zwingend fundierte medizinische Kenntnisse, was es den Schulmedizinern schwer macht, Vertrauen in diese Therapieform zu fassen; auch wenn alle befragten Kinderärzte in ihrer Praxis Kinder betreuen, die bereits in kinderosteopathischer Behandlung waren.