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Naturheilpraxis 09/2018

Keinen Tee trinken – und dennoch abwarten?

Eine gute Verordnung benötigt manchmal Zeit

Der akut kranke Patient sucht normalerweise einen Therapeuten auf, um durch eine entsprechende Behandlung, respektive Verordnung, möglichst rasche Besserung seiner Beschwerden zu erfahren. Nicht selten steht der klassisch homöopathisch arbeitende Behandler in diesen Fällen vor einem Problem, wenn nur allgemeine Zeichen einer Erkrankung vorliegen, es aber an verordnungsrelevanten sonderlichen Symptomen fehlt.

Ein Beitrag von Henning Marx
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In einer solchen Situation könnte einerseits auf nicht homöopathische Behandlungsansätze zurückgegriffen werden. Andererseits wird hierdurch in den Krankheitsverlauf eingegriffen, sodass eine später notwendige homöopathische Verordnung zusätzlich erschwert wird. Wäre einfach zu warten eine denkbare Strategie? Ein Fallbeispiel.

Ausgangssituation

Patientin M. D. kommt an einem Dienstagabend im März 2018 in meine Praxis, die ärztliche Diagnose lautet „grippaler Infekt“. Pharmazeutika will sie keine einnehmen und bittet um eine homöopathische Verordnung, weil sie ein Verschleppen der Erkrankung vermeiden möchte. Sie fühle sich nur leicht abgeschlagen und habe wenig Appetit. Die Symptome der Atemwege sind wenig ausgeprägt. Die Nase laufe manchmal klar, sagt sie. Eine Rötung um Nase oder Augen ist nicht zu erkennen. Husten trete nur selten auf, eine eindeutige Modalität kann die Patientin nicht angeben. Auswurf habe sie bisher nicht bemerkt. Auch der Auskultationsbefund bleibt unauffällig. Ausgeprägte Nebenbeschwerden fehlen ebenfalls.

Im § 153 seines Organons weist Hahnemann (1) explizit darauf hin, dass allgemeine Beschwerden, solange sie nicht näher bezeichnet sind, kaum Aufmerksamkeit verdienen, weil sie bei fast jeder Krankheit und im Umkehrschluss auch bei fast jeder Arznei auftreten. In der vorliegenden Situation lässt sich kein Symptom feststellen, über das eine sichere homöopathische Verordnung getroffen werden könnte. Um nicht vorschnell zu einem derartigen Ergebnis zu gelangen, sei an § 175 erinnert, obwohl dieser sich vor allem auf einseitige Krankheiten bezieht. Dort verweist Hahnemann darauf, dass ein Mangel an Symptomen häufig nur der Unaufmerksamkeit des Therapeuten geschuldet ist. Doch nicht selten fehlen, wie im vorliegenden Fall, bei leichten oder am Anfang stehenden Erkrankungen prägnante wahlanzeigende Beschwerden im Sinne des § 153. Auch eine weitergehende Interrogation der Patientin ergibt keinen zusätzlichen Hinweis, der eine vertretbare homöopathische Arzneimittelwahl erlauben würde.

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Naturheilpraxis 09/2018

Erschienen am 01. September 2018