Der Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen erntet regelmäßig Lacherfolge, wenn er Anekdoten rund um die Erfolge der Placebo-Forschung zum Besten gibt. Andere nutzen den Begriff „Placebo-Effekt“ vorzugsweise, wenn sie die therapeutische Wirkung eines Verfahrens nicht erklären können oder dieses diskreditieren wollen. Doch wie kommt es eigentlich zum Placebo-Effekt und seinem Pendant, dem Nocebo-Effekt?

Lange dachte man, es sei der Glaube, der nicht nur Berge versetzt, sondern auch dazu beiträgt, dass ein Scheinmedikament Beschwerden lindern kann, und sprach vom Placebo-Effekt. „Alles Einbildung“, war die einhellige Meinung zu diesem Phänomen. Es hat daher sehr lange gedauert bis der Placebo-Effekt als Chance erkannt wurde, die Kraft der Gedanken zur Linderung von Beschwerden zu nutzen.

Arzneistoff versus Placebo – ein bewährtes Studiendesign

Ernst genommen wird der Placebo-Effekt schon lange. So müssen sich neue Medikamente in Studien unter anderem dem Vergleich mit einem Placebo stellen. Idealerweise wissen weder der behandelnde Arzt noch der Patient, ob der Proband ein Placebo oder einen Wirkstoff erhält (Doppelblindstudie). Bei der Auswertung der erhobenen Daten wird einerseits überprüft, wie wirksam der Arzneistoff im Vergleich zum Placebo ist, und andererseits, wie häufig Nebenwirkungen im Wirkstoff- und im Placebo-Arm der Studie auftreten. Denn die Einnahme eines Medikaments löst bei vielen Anwendern auch die Befürchtung aus, dass eine unerwünschte Wirkung auftreten könnte. Daher leiden Personen, die ein Scheinmedikament erhalten, mitunter unter Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen, gastrointestinalen Beschwerden und vielem mehr. Bei einem Teil der Betroffenen würden die Beschwerden, die als unerwünschte Wirkungen erfasst werden, allerdings auch unabhängig von der Teilnahme an der Studie auftreten – ganz gleich, ob die Betroffenen ein Placebo oder eine wirksame Substanz erhalten. Sie werden einfach krank. Die negative Erwartungshaltung jedoch, die zum Auftreten von Nebenwirkungen führt, bezeichnet man als Nocebo-Effekt. Dieser kann sogar so stark ausgeprägt sein, dass er die Wirkung einer an und für sich wirksamen Substanz aufhebt (1).